Nicht mehr lange und das Jahr nimmt ein Ende. Anders als in Deutschland gilt das Neujahrsfest in Japan als Familienfest und als wichtigster Feiertag im ganzen Jahr. Die Feierlichkeiten sind auch keineswegs mit unseren Silvester-Partys zu vergleichen, sondern haben einen kulturelleren Charakter. Was alles dazu gehört und wie man ein japanisches Neujahr (お正月) richtig feiert, erfährst du hier.

Osouji

Bevor die Feierlichkeiten beginnen können, wird erst einmal geputzt! Ähnlich wie bei einem Frühjahrsputz wird in Japan zum Jahresende beim osouji (お掃除) das Zuhause besonders gründlich gesäubert. Das stellt nicht nur die Götter zufrieden, sondern sorgt auch für einen sauberen und reinen Start in das neue Jahr. Wenn du ebenfalls an diesem nützlichen Brauch teilnehmen möchtest, haben wir einen Tipp für dich: Kaufe deine Putzutensilien am besten in einem 100-Yen-Shop! Dort findest du für wenig Geld alles, was du brauchst.

Neujahrskarten

In Japan ist es üblich, Ende Dezember Neujahrskarten (年賀状) an Familie, Freunde, Verwandte und auch Geschäftspartner zu verschicken und so Glückwünsche für das neue Jahr auszudrücken. Fertige Karten sind zu dieser Zeit quasi überall erhältlich und bilden in der Regel das Tierkreiszeichen des kommenden Jahres ab – Dieses Jahr war es das Wildschwein, 2020 ist es die Ratte. Dazu wird dann noch eine kurze persönliche Botschaft geschrieben und dann geht’s ab zur Post. Die garantiert dann die pünktliche Auslieferung der Karten am 1. Januar, wenn sie bis zu einem bestimmten Datum abgegeben wurden.

Otoshidama

Kinder können sich am Neujahrstag besonders freuen, denn sie erhalten von ihrer Familie ein kleines Taschengeld namens otoshidama (お年玉). Dieser Brauch wurde aus China übernommen, mitsamt den roten Umschlägen, in denen das Geld überreicht wird. Der Betrag liegt im Schnitt bei 5000 Yen (ca. 40€), wobei das meistens nach Alter angepasst wird. Nur 4000 und 9000 Yen werden nicht verschenkt, da in Japan die Zahlen 4 und 9 Unglückszahlen sind.

Japanisches Neujahr

Essen

Was wäre ein japanisches Neujahr, ohne besonderes Essen? Und jedes einzelne Gericht hat natürlich auch eine gewisse Bedeutung, so dass einem das Verspeisen beispielsweise Wohlstand für das neue Jahr bringen soll.

Osechi-ryori

Ganz traditionell wird beim Neujahrsfest osechi-ryori (御節料理) gegessen, eine Tradition, die noch aus der Heian-Zeit (794-1185) stammt. Viele kleine Speisen verpackt in jūbako Boxen (重箱), die Bento-Boxen ähneln, werden vorbereitet und dann an Neujahr gegessen. Am Neujahrstag selber soll nämlich nicht gekocht, sondern nur entspannt werden. Die Zubereitung ist jedoch etwas aufwendig und heutzutage tendieren vor allem junge Leute eher zu fertigen Neujahrsgerichten aus dem Supermarkt. Die einzelnen Bestandteile von traditionellem osechi-ryori sowie ihre jeweilige Bedeutung kannst du in diesem Artikel im Detail nachlesen. Und nächstes Mal vielleicht sogar nachkochen?

Toshikoshi-Soba

Dahingegen recht einfach zuzubereiten sind toshikoshi-soba (年越し蕎麦). Soba-Nudeln in heißer Dashi-Brühe mit Frühlingszwiebel und gegebenenfalls noch zusätzlichen Toppings, wie Tempura oder Fischfrikadellen. Dieser jahrzehntelangen Tradition werden ebenfalls besondere Bedeutungen zugesprochen: Die langen Soba-Nudeln repräsentieren ein langes Leben, und da sie sich sehr leicht durchbeißen lassen, symbolisieren sie auch einen mühelosen Abschluss mit der Vergangenheit. Darüber hinaus steht der robuste Buchweizen, aus dem die Nudeln gemacht sind, für Stärke und Durchhaltevermögen. Und selbst wenn man nicht ganz überzeugt von all dem Aberglaube ist, geschmacklich sind toshikoshi-soba trotzdem unschlagbar.

Kagami-Mochi

Die sogenannten „Spiegel-Reiskuchen“ (鏡餅) sind zunächst erst einmal Dekoration, bevor sie gegessen werden und sollen Glück und Wohlstand für das neue Jahr bringen. Ein kagami-mochi besteht in der Regel aus zwei 2 mochi, einem großen und einem kleinen, übereinander gestapelt. Oben drauf kommt dann noch eine daidai, eine asiatische Bitterorange und nach Belieben noch zusätzliche Dekoration, wie japanisches Papier oder Farne, aber das variiert stark je nach Region. Der Name stammt von der Form der mochi, die einem Bronzespiegel ähneln, was früher als Kostbarkeit angesehen wurde. Die daidai an der Spitze ist ebenfalls ein Symbol für Wohlstand.

Bis zum Neujahrstag sind die mochi dann fest geworden und es wird Zeit „den Spiegel zu brechen„, das heißt die Reiskuchen werden mit einem hölzernen Hammer geteilt. Zubereitet kann diese Köstlichkeit dann auf zwei Arten: In ozoni oder oshiruko. Ozoni ist eine Suppe auf Miso- oder Sojasoßen-Basis und oshiruko ist die süße Variante mit roten Bohnen – beides simpel, aber lecker!

Hatsumode

Manche sehen sich zunächst den ersten Sonnenaufgang des Jahres an, andere gehen direkt los. Hatsumode (初詣) ist die japanische Bezeichnung für den ersten Schreinbesuch im neuen Jahr – muss aber nicht zwingend am 1. Januar stattfinden, die Tage danach erst zu gehen ist auch vollkommen in Ordnung, da gibt es keine festen Regeln. Teilweise kann das sogar sehr sinnvoll sein, da am Neujahrstag selber insbesondere an berühmten oder großen Schreinen und Tempeln sehr viel los sein kann, so dass man eventuell für einige Zeit Schlange stehen muss.

Wenn man dann an der Reihe ist, sollte man eine 5-Yen-Münze bereithalten. Denn auf Japanisch klingt „5 Yen“ (五円, goen) genauso wie „Schicksal“ (ご縁, goen), weswegen die Münze üblicherweise beim Beten als Darbringung an die Götter genutzt wird. Dann verbeugst du dich zweimal als Begrüßung an die Götter, klatschst anschließend zweimal in die Hände als Zeichen der Wertschätzung und betest dann still für das neue Jahr. Zum Schluss verbeugst du dich noch ein letztes Mal. Wer ein echtes japanisches Neujahr erleben will, sollte auf jeden Fall beim Schreinbesuch dabei sein.

Neben dem Beten ist es außerdem üblich, ein omikuji (御神籤) zu ziehen, was im Prinzip kleine Glückslose mit Wahrsagungen sind. Darin befindet sich dann eine Vorhersage auf einer Skala zwischen „Großes Glück“ und „Großes Pech“. Gute Voraussagungen behält man normalerweise, schlechte werden an eine Kiefer auf dem Gelände des Schreins oder Tempels gebunden, um das Pech abzuwenden. Neben allgemeinen Glückslosen gibt es außerdem noch spezifische Themen, wie zum Beispiel Liebe. In der Regel kostet ein Los 100 Yen.

Für besonders viel Glück im neuen Jahr kann man sich dann auch noch ein omamori (御守り), einen Glücksbringer in Form eines kleinen Stoffbeutels, kaufen. Die gibt es für alle möglichen Zielgruppen in den verschiedensten Designs. Von Erfolg bei Prüfungen, über Glück in der Liebe bis hin zu Gesundheit ist alles dabei. In oder an der Tasche entfaltet der Glücksbringer dann das ganze Jahr lang seine Kraft, bis zum nächsten Neujahrstag – dann soll das „abgelaufene“ omamori verbrannt werden.

Neujahrsgrüße vom Kaiser

Wie bereits gesagt, ist japanisches Neujahr nicht einfach nur ein Fest zum Ende des Jahres, sondern eine bedeutsame Feierlichkeit. Deswegen wird ein Teil des Kaiserpalasts am 2. Januar für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und der japanische Kaiser und seine Familie treten öffentlich auf. Dieses Jahr wird das zum ersten Mal der neue Kaiser Naruhito sein, da Kaiser Akihito dieses Jahr abgedankt hat und ein Ära-Wechsel von Heisei zu Reiwa stattgefunden hat.

Fukubukuro

Japanisches Neujahr ist nicht nur Tradition, sondern natürlich auch Kommerz. Das wird besonders deutlich bei den fukubukuro (福袋), die japanische Version der Wundertüten. Nicht verkaufte Ware des vergangenen Jahres wird ab dem 3. Januar in Wundertüten reduziert verkauft, um so überschüssige Ware sinnvoll zu entsorgen. So weiß der Käufer zwar nicht, was drin ist, zahlt aber auch deutlich weniger als der gesamte enthaltene Warenwert. Da kann man großes Glück haben und richtige Schnäppchen abstauben! Vor allem nehmen sehr viele Läden an diesem Brauch teil, so dass eigentlich für jeden was dabei ist. Mehr Details über die japanischen Wundertüten kannst du in diesem Artikel nachlesen und anschließend vielleicht auch dein Glück mal versuchen.

Jetzt weißt du bestens über ein traditionelles japanisches Neujahrsfest Bescheid und bist bereit Silvester in Japan zu feiern!

Wenn du noch mehr über japanische Kultur lesen möchtest, folge unserem Go! Go! Nihon Blog und erfahre alles Wissenswerte über Japan!