Das neue Jahr rückt näher und das heißt in Japan: Zeit für fukubukuro (福袋), die japanische Ausgabe der Wundertüte. Zu Beginn eines neuen Jahres dreht sich in Japan viel um das Verkaufen und die fukubukuro sind eines der besten Beispiele dafür.

Wir zeigen dir, was diese Wundertüten genau sind, woher dieser Brauch stammt, sowie wo und wann du sie erhalten kannst.

Fukubukuro – was ist das?

Der Name fukubukuro setzt sich aus den Schriftzeichen für Glück (福 fuku) und Tüte/Beutel (袋 fukuro) zusammen. Die ersten japanischen Wundertüten tauchten im 20. Jahrhundert auf. Einige große Kaufhäuser, wie das Matsuya Ginza in Tokyo, suchten nach einer Lösung, um nicht verkaufte Ware des ablaufenden Jahres noch absetzen zu können. Denn in Japan existiert der Aberglaube, nichts Unerwünschtes mit in ein neues Jahr zu nehmen – und natürlich möchte kein Unternehmen auf Ladenhütern sitzen bleiben.

Um diese Probleme zu lösen, werden in fukubukuro verschiedene Artikel verkauft. Zwei Besonderheiten haben dabei für die inzwischen immense Popularität dieser japanischen Wundertüten gesorgt. Zunächst einmal weiß der Kunde nicht, was genau in den Tüten enthalten ist. Zudem werden die fukubukuro zu einem Preis verkauft, der deutlich günstiger ist als der Gesamtpreis der enthaltenen Artikel.

Die Wundertüten machen den größten Anteil der Winterverkaufe (üblicherweise ab dem 3. Januar gerechnet) in den Geschäften aus, die auf diese Verkaufsstrategie setzen. Es kommt nicht selten vor, dass sich vor den Geschäften lange Schlangen aus Kunden bilden, die auf ein tolles Schnäppchen hoffen. In der Regel sind die Taschen erhältlich so lange der Vorrat reicht. Bei angesagten Geschäften kann es gut sein, dass die fukubukuro innerhalb von Stunden ausverkauft sind, aber auch in weniger beliebten Kaufhäusern dauert dies selten länger als ein paar Tage.

Die enorme Beliebtheit der japanischen Wundertüten ist auf die sehr günstige Win-Win-Situation für Verkäufer und Kunden zurückzuführen. Der Käufer kann wirklich sehr günstig neue Produkte erwerben, da der Rabatt auf die Produktzusammenstellung oft zwischen 70-80% betragen kann. Andererseits erlauben es die fukubukuro dem Verkäufer, Produkte aus dem abgelaufenen Jahr in großer Stückzahl abzusetzen und so Lagerkapazitäten freizumachen.

Natürlich kann es auch vorkommen, dass der Kauf einer japanischen Wundertüte in einer Enttäuschung endet. Auch wenn der Rabatt beachtlich ist, müssen nicht unbedingt Produkte enthalten sein, die der Käufer haben möchte oder die seinem Geschmack entsprechen. Am häufigsten geschieht dies bei fukubukuro, die Bekleidungsstücke enthalten.

Einkaufszentrum

Es ist für jeden etwas dabei!

Abhängig von den im teilnehmenden Geschäft verkauften Produkten gibt es viele Arten von japanischen Wundertüten. Von Kleidung über Elektronik, Kosmetikprodukte und Lebensmittel bis hin zu Möbeln (tatsächlich bieten manche Geschäfte wie Muji wirklich so etwas an) gibt es alles was du dir vorstellen kannst. Aber nicht nur der Inhalt bestimmt die Art der fukubukuro, sondern es gibt noch ein paar weitere Unterscheidungsmöglichkeiten.

Einige fukubukuro sind sogenannte 予約制 (youyakusei), die sich nur per Vorbestellung kaufen lassen. Dies hat den Vorteil, dass Kunden nicht gezwungen sind, sich in lange Schlangen zu stellen. Andererseits sind diese Wundertüten noch einmal deutlich limitierter als reguläre fukubukuro im Ladenverkauf.

Bei japanischen Wundertüten, die Kleidung enthalten, gibt es die Möglichkeit, eine Kleidergröße auszuwählen. Die fukubukuro enthalten dann beispielsweise nur Kleidungsstücke der Größe S oder M. Außerdem gibt es manchmal genauere Angaben zum Inhalt (Unterwäsche, Winterkleidung, etc.), sodass die Kaufentscheidung besser gefällt werden kann.

Wenn die Stückzahl der fukubukuro wie zuvor beschrieben begrenzt ist, spricht man von suuryou gentei (数量限定). Dann gibt es nach dem Verkauf der letzten Wundertüte keine weiteren Exemplare mehr zu erwerben. Je nach Beliebtheit des Geschäfts kann dieser Fall sehr schnell eintreten, weshalb sich Anstehen hier durchaus lohnen kann.

Insbesondere in größeren Einkaufszentren und bei Kleidungsgeschäften gibt es bei den fukubukuro eine weitere Besonderheit. Um zu vermeiden, dass Kunden mit Wunschtütenartikeln nach Hause gehen müssen, die Ihnen nicht gefallen, können sie an einer Tauschbörse teilnehmen. Teilnehmen können alle Kunden, die eine fukubukuro erworben haben und eines oder mehrere Produkte daraus gerne tauschen möchten. Alle Teilnehmer können dann direkt im Geschäft untereinander ihre Käufe tauschen, obwohl diese bereits bezahlt worden sind.

Bei Produkten, die sich nicht einfach in Wundertüten füllen lassen, werden stattdessen Gutscheine hineingetan. Dies betrifft zum Beispiel Reisen oder Möbel. Auf den Gutscheinen finden sich dann genaue Angaben zu den Einzelheiten des Produkts, welches sie repräsentieren. Im Geschäft finden sich dann Mitarbeiter, die die Gutscheine in die richtigen Preise umwandeln.

Wann kannst du sie kaufen?

Die fukubukuro sind ein wesentlicher Bestandteil des japanischen Verkaufsjahres. Viele Geschäfte sind während des japanischen Neujahrs am 1. und 2. Januar geschlossen. Daher beginnt die Verkaufszeit für die japanischen Wundertüten üblicherweise am 3. Januar. Wenn du im neuen Jahr einmal dein Glück versuchen willst, informiere dich schnell bei deinen Lieblingsgeschäften wie und wann dort fukubukuro verkauft werden. Das Schöne (und manchmal auch das Unerfreuliche) an diesem modernen kommerziellen Brauchtum ist die Unberechenbarkeit. Starte einmal japanisch ins neue Jahr!

Wenn du mehr über Japan und seine Kultur erfahren möchtest, folge dem Go! Go! Nihon-Blog.