Begrüßungen in Japan unterscheiden sich in einigen Aspekten von den Gewohnheiten des Westens. Allgemein gesagt, ist die Begrüßung in Japan von höherer Bedeutung, was Anstand und Etikette angeht, weswegen die Formulierungen auch etwas weitreichender sind als im Deutschen.

Schauen wir uns also die Grundlagen der Begrüßungskultur genauer an.

„Aisatsu“ – Die Begrüßung in Japan

Das Wort aisatsu (挨拶、あいさつ) heißt übersetzt ganz einfach „Begrüßung“, die Bedeutung dahinter geht aber über eine simples „Hallo“ hinaus.

Im Deutschen ist eben dieses simple „Hallo“ oder einfach nur ein Kopfnicken zu Leuten, die man kennt, vollkommen ausreichend. In Japan hingegen ist aisatsu etwas, das tief im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert ist und schon im Kindesalter beigebracht wird. Beispielsweise ist es in Schulen nicht unüblich, jeden vorbeigehenden Schüler einer höheren Stufe als Zeichen des Respekts zu grüßen – in einer deutschen Schule quasi unvorstellbar.
Auch am Arbeitsplatz kann die Begrüßung in Japan dazu beitragen, eine positive Atmosphäre herzustellen und Kommunikation anzuregen.

Wichtig ist außerdem, dass Händeschütteln in Japan eher unüblich ist und man sich stattdessen verbeugt.

Aufgrund des hohen Stellenwerts, den die Begrüßung in der japanischen Kultur einnimmt, sollte sie eins der ersten Aspekte der japanischen Sprache sein, die man lernt – gleich nach der japanischen Schrift.

Somit lernen wir nun die wichtigsten Begrüßungsformeln im Japanischen!

Begrüßung in Japan

Japanische Grußformeln

1. Ohayō gozaimasu (おはようございます)

Das heißt auf Deutsch „Guten Morgen“ und wird in der Regel bis spätestens 11 Uhr gesagt, auch wenn es da keine exakte Regel gibt. Das Wort „Morgen“ kommt aber tatsächlich gar nicht darin vor, der Ursprung kommt stattdessen von dem Adjektiv hayai (早い, はやい), was so viel wie „früh“ heißt.

In voller Länge ist es eine höfliche Begrüßung für Leute außerhalb des Bekanntenkreises sowie Höhergestellte; lässt man aber das gozaimasu weg, wird es informell und kann als Begrüßung für Freunde und Familie genutzt werden.

2. Konnichiwa (こんにちは)

Der wohl bekannteste Gruß im Japanischen: Er ist das Äquivalent zu „Guten Tag“ und wird ungefähr ab 11 Uhr bis 18 Uhr gebraucht, also ähnlich wie im Deutschen.

Konnichiwa kann in so gut wie jeder Situation und zu jeder Person gesagt werden, solange die Tageszeit stimmt. Unter engeren Freunden werden jedoch eher informelle Formulierungen verwendet, wie zum Beispiel saikin dou (最近どう, さいきんどう, „was geht“) oder einfach nur yoo (よー) als simples „Hi“. Sowas sollte aber wirklich nur im engeren Bekanntenkreis benutzt werden, dagegen ist man was Höflichkeit angeht bei konnichiwa immer auf der sicheren Seite.

3. Konbanwa (こんばんは)

Ab 18 Uhr kann man konbanwa sagen, das heißt also übersetzt „Guten Abend“. Im Gegensatz zu konnichiwa klingt es aber sehr förmlich und wird eher bei Fremden und weniger bei Freunden oder Kollegen gebraucht.

4. Oyasumi nasai (おやすみなさい)

Bedeutet wörtlich sowas wie „Bitte ruh dich aus“, wird aber sinngemäß einfach als „Gute Nacht“ verwendet.

5. Sayōnara (さようなら)

Entgegen der Erwartung ist das kein alltäglicher Abschiedsgruß, sondern entspricht dem deutschen „Lebwohl“ und wird daher auch genauso selten gesagt.

Unter Freunden sind daher Ausdrücke wie bai-bai (バイバイ), jaane (じゃあね), dewa (では) oder mata ne (またね) üblicher. Und wenn man beispielsweise „Bis morgen“ oder „Bis nächste Woche“ sagen möchte, ändert man einfach das mata ne (またね) zu mata ashita (また明日, またあした) oder bei letzterem zu mata raishū (また来週, またらいしゅう).

6. Ittekimasu & itterasshai (いってきます & いってらっしゃい)

Wesentlich unüblicher für uns als die bisher genannten Begrüßungen ist der Wortwechsel, wenn jemand das Haus verlässt. Die Person, die geht, sagt ittekimasu, also wörtlich „Ich gehe und komme wieder“, woraufhin die andere Person zum Abschied itterasshai, wörtlich „Bitte gehe und komm wieder“ sagt. So drückt man aus, dass die andere Person auf sich aufpassen und unversehrt wieder nach Hause kommen soll.

 7. Tadaima & okaeri (ただいま & おかえり)

Einen ähnlichen Austausch gibt es dann auch bei der Rückkehr nach Hause. Wer ankommt, sagt tadaima „Ich bin Zuhause“ und wird entsprechend begrüßt mit okaeri „Willkommen zurück“.

 8. Moshi moshi & osewa (もしもし & お世話, おせわ)

Diese Form der Begrüßung wird in Japan am Telefon benutzt. Der Ursprung liegt in dem Verb mōsu (申す, もうす), eine höfliche Form des Verbs iu (言う, いう) für „sagen“ und ist sinngemäß eine gekürzte Form von „Ich werde reden“. Aber aufgepasst: Diese Grußformel ist im Wesentlichen für den engeren Bekanntenkreis gedacht.

Auf der Arbeit und allgemein bei geschäftlichen Gesprächen sollte man zuerst hai (はい, „Ja“) sagen, gefolgt vom eigenen Namen und dem Namen der Firma.

Alternativ ist es zur Begrüßung von Geschäftspartnern auch üblich osewa ni natte orimasu (お世話になっております, おせわになっております) zu sagen, was übersetzt Dank oder Anerkennung für die Unterstützung ausdrückt.

9. Otsukaresama desu (お疲れ様です, おつかれさまです)

Das ist die wohl am häufigsten gebrauchte Grußformel im Arbeitsbereich und schwierig zu übersetzen. Das Verb tsukareru (疲れる, つかれる) heißt „müde werden“, otsukaresama desu soll also allgemein als Zeichen der Anerkennung für harte Arbeit und gegenseitige Unterstützung dienen und wird daher meist nach der Arbeit gesagt.

10. Yōkoso & irasshaimase (ようこそ & いらっしゃいませ)

Viel in Flughäfen zu sehen und damit die wahrscheinlich erste Begrüßung in Japan, die man gleich bei der Ankunft erhält: Yōkoso, ein einfaches „Willkommen“.

In Geschäften hingegen wird der Kunde gerne mit einem enthusiastischen irasshaimase begrüßt, worauf allerdings im Normalfall keine Antwort erwartet wird.

Respekt und Umgangsformen spielen demzufolge eine große Rolle in Japans Gesellschaft. Daher ist der erste Schritt für ein Leben in Japan, egal ob als Tourist, Student oder Arbeiter, sich mit den Grundlagen der Sprache und der Kultur vertraut zu machen. Trau dich, und wende alles an, was du lernst!