Der Tokyoter Fischmarkt ist der größte Fischmarkt der Welt. Täglich transportieren hunderte der dort typischen kleinen Turmwagen tonnenweise frischen Fisch über das Gelände und die Thunfischauktionen haben sich zu einer bekannten Touristenattraktion entwickelt. Bis zum vergangenen Herbst befand sich der Tokyoter Fischmarkt in Tsukiji und wurde einfach mit diesem Namen bezeichnet. Doch im Oktober 2018 wurde der letzte Schritt eines lange geplanten Umzugs nach Toyosu umgesetzt, wo sich der Fischmarkt seitdem befindet.

Doch warum musste der Fischmarkt umziehen und was bedeutet dies für dessen Besichtigung?

Eine kleine Stadt zieht um

Als größter Fischmarkt der Welt mit einem gehobenen Alter von 83 Jahren ließ sich der Tokyoter Fischmarkt nicht mal eben so verlegen. Alle beteiligten Parteien hatten bereits in den 90er-Jahren mit Renovierungsarbeiten begonnen – aus Kostengründen mussten diese aber eingestellt werden. Im Jahr 2001 entschied dann die Metropolregierung von Tokyo, dass der Fischmarkt umziehen müsste, um weiter Bestand haben zu können.

Die Größe des Fischmarktes Tsukiji war nicht mehr ausreichend, um die Masse an Fisch tagtäglich optimal zu bewältigen. Auch die Kühltechnologie erfüllte nicht mehr modernste Anforderungen, denn viele Abläufe fanden unter freien Himmel statt. Gerade im japanischen Sommer war man so den drückenden Temperaturen ausgesetzt. Mit einem Umzug des gesamten Tokyoter Fischmarktes nach Toyosu würden diese Probleme behoben und neues Wachstumspotential geschaffen werden.

Das Gelände des Fischmarktes Toyosu war ursprünglich Standort eines Kraftwerks von Tokyo Gas Co. Untersuchungen fanden hohe Konzentrationen von Benzol im Boden, sodass vor Baubeginn 2 m Erdreich abgetragen werden musste. Diese Schicht wurde mit unbelastetem Erdreich aufgefüllt und weitere 2,5 m Boden wurden darauf geschichtet. Mit diesem Fundament sollten die Bauarbeiten in Toyosu ohne Altlasten beginnen können.

2014 war dieser Vorgang abgeschlossen und die Bauarbeiten konnten beginnen. Bis September 2016 liefen diese ohne Probleme, bis eine Grundwasseruntersuchung feststellte, dass die geplanten neuen Bodenschichten nicht überall vollständig aufgeschüttet worden waren. Zwar wurde das Gelände 2018 endgültig als sicher und unbelastet eingestuft, aber eine gewisse Unsicherheit bezüglich der möglichen Belastung der Lebensmittel bei Händlern und Kunden ist noch nicht abgeklungen.

Der neue Tokyoter Fischmarkt in Toyosu ist eine moderne Weiterentwicklung des Vorläufers in Tsukiji. Sicherlich ist bei diesem Umzug ein wenig des chaotischen und lebendigen Charmes von Tsukiji verloren gegangen. Aber in Bezug auf logistische Abläufe, Handel und touristische Erschließung ist Toyosu ein großer Schritt nach vorne. Mit einem Zuwachs von ca. 150% der ursprünglichen Fläche hat der Markt deutlich mehr Raum erhalten. Mehrere Gebäude unterteilen das Areal in thematisch strukturierte Zonen und der Zugang ist über die Bahnstation Shijomae auf der Yurikamome-Linie einfach wie nie zuvor.

Tokyoter Fischmarkt in Toyosu

Der neue Tokyoter Fischmarkt

Der neue Fischmarkt Toyosu ist in drei Bereiche aufgeteilt: zwei die sich mit Meeresprodukten befassen und einen, in dem es um den Handel von Obst und Gemüse geht. Jeder dieser Bereiche ist in einem eigenen Gebäude untergebracht, die über Brücken miteinander und mit der Bahnstation verbunden sind. In jedem Gebäude gibt es Laufwege und Plattformen für Touristen, um diese vom Marktalltag zu trennen. Während dies sicherlich verhindert, dass sich das Flair des Fischmarktes ganz unmittelbar erleben lässt, ist es für die Abläufe des Marktes ein notwendiger Schritt gewesen. Und es ist auch nicht ganz ohne Vorteil für einen Besuch. Denn nun lässt sich tatsächlich nahezu der gesamte Markt aus der Vogelperspektive erleben.

Die drei Sektionen des Fischmarktes

Das erste der genannten Gebäude ist gleichzeitig auch die Hauptattraktion des Marktes. Hier finden die frühmorgendlichen Fischauktionen statt, die einer der Hauptmagneten für den Besuch von Tsukiji gewesen sind. Feinster Thunfisch wird in Reihen ausgelegt und Vertreter von Geschäften, Hotels und Restaurants versuchen mit Geboten und Gegengeboten die besten Exemplare für sich zu ergattern. Der Verkaufssingsang der Fischverkäufer ist dabei eine spannende Herausforderung für jeden Lernenden der japanischen Sprache.

Im Januar 2019 wurde bei einer Auktion in Toyosu ein neuer Verkaufsrekord aufgestellt: ein 278 kg-Thunfisch wurde für etwas mehr als 333 Millionen Yen (ca. 2,8 Millionen Euro) verkauft. Der Käufer, die Kiyomura Corporation, verkauft den Fisch in ihrer berühmten Restaurantkette Sushizanmai als Sushi für geschätzte 180 Euro pro Teller.

Im Gegensatz zum Fischmarkt in Tsukiji gibt es nun keine über Tickets begrenzten Zugänge mehr zur Thunfischauktion mehr. Interessenten könnten das Geschehen von den bereits erwähnten abgetrennten Bereichen heraus beobachten und das Marktgeschehen wird nicht gestört. Bei Interesse solltest du morgens um 4:30 am Fischmarkt sein, damit du die Auktionen nicht verpasst.

Das zweite Gebäude ist für den regulären Verkauf von Meeresprodukten gedacht. Hier verkaufen rund 600 Verkäufer ihre Waren an ihre Kunden. Durch die breiteren Wege und die Trennung von Marktpersonal und Touristen kann der Betrieb hier nun reibungsloser ablaufen. Auf dem Fischmarkt Tsukiji gab es in der Vergangenheit immer wieder Unfälle und Spannungen zwischen Besuchern und Personal. Aus diesem Grund wurden beide Gruppen in Toyosu separiert. Trotzdem gibt es hier im Gebäude auch einen Einkaufsbereich für Touristen, sowie Restaurants in denen unter anderem fangfrischer Fisch serviert wird.

Das dritte Gebäude auf dem Fischmarkt Toyosu ist dem Verkauf von Obst und Gemüse gewidmet. Auch hier wurden die Besucherströme vom Marktbetrieb getrennt, dieser aber über lange Fenstergalerien trotzdem erlebbar gemacht. Außerdem finden sich auch hier wieder Restaurants und Geschäfte für Besucher.

Neues Leben für den Tokyoter Fischmarkt

Nachdem der Tokyoter Fischmarkt nun umgezogen ist, geht der Betrieb in Toyosu weiter. Man mag dem hektischen, chaotischen Charme des Fischmarktes Tsukiji nachtrauern, doch der Umzug war letztlich notwendig. In Tsukiji gab es kein Wachstumspotential mehr und das Marktgelände konnte nicht in einem tragbaren finanziellen Rahmen modernisiert werden. Außerdem es erlaubt der Neubau in Toyosu mehr Touristen den Markt zu besuchen – und natürlich auch dessen Umsatz in den Geschäften und Restaurants zu steigern.

Die Qualität des Fisches wird auch in Toyosu weiterhin exzellent sein und das Marktgeschehen wird sich ohne Gebühren beobachten lassen. Das Ganze dann gut angebunden, sauber, klimatisiert und effizient gestaltet – also irgendwie auch sehr japanisch. Ich habe Tsukiji gerne besichtigt, aber ich freue mich auch schon auf meinen ersten Besuch in Toyosu!