Jeder, der Japan bereist oder dort eine Sprachschule besucht, wird sich früher oder später einer Herausforderung stellen müssen: Japanische Toiletten, oft auch „Washlets“ genannt, sind im Gegensatz zu ihren westlichen Vertretern technologisch hoch entwickelte Gerätschaften mit diversen Funktionen, Knöpfen und Sensoren.

Dies kann bei der ersten Begegnung schnell einschüchternd wirken, allerdings ist es sehr viel einfacher als es aussieht und du wirst die vielen Annehmlichkeiten nach der ersten Nutzung nie mehr missen wollen.

Toiletten-Funktionen

Ein wenig Geschichte…

Die Geschichte der modernen japanischen Toiletten beginnt 1903, als Erfinder Kazuchika Okura in den Westen reist und dort von den vorherrschenden Keramik Toiletten absolut fasziniert ist. In Japan kennt man diese Art der Toilette damals noch nicht, traditionelle Hocktoiletten gehören zur Norm.

Nach seiner Rückkehr 1917 gründet Okura die Firma Tōyō Tōki (東洋陶器,  Östliche Keramik), heutzutage besser bekannt unter dem Namen TOTO, und macht die westliche Toilette in Japan bekannt. Der Durchbruch kommt allerdings erst 1980 mit der Einführung des ersten Washlets, einer Kombination aus Bidet und Toilette. Diese hochmodernen Sanitäranlagen finden schnell großen Anklang bei den Japanern und sind seit Beginn des 21. Jahrhunderts auch im öffentlichen Raum oft Standard.

Was macht japanische Toiletten so besonders?

Washlets sind elektronische Toiletten mit verschiedensten Funktionen, je nach Modell und Preisklasse. Generell sind die meisten Washlets mit zwei Wasserstrahlern und beheiztem Sitz ausgestattet. Teurere Modelle haben oft viele weitere Funktionen, wie z.B. Luftabzüge, um Gerüche zu vermeiden, Lautsprecher zum Spielen von Musik oder Naturgeräuschen, und Sensoren, die den Toilettendeckel automatisch öffnen, sobald sie Bewegung erkennen und automatisch Spülen, sobald man aufsteht. Viele Washlets sind außerdem selbstreinigend, eine Funktion die bei den hygienebewussten Japanern sehr geschätzt wird.

Toiletten-Spülhebel

Wie bedient man ein Washlet?

Bevor wir zur eigentlichen Bedienung kommen, ist es ratsam erst zu klären, wie man japanische Toiletten überhaupt findet. Die direkte Übersetzung im Japanischen wäre Toire (トイレ), allerdings wird im Gespräch oder auf Schildern auch oft die förmlichere Variante Otearai (お手荒い, おてあらい) benutzt. Die Geschlechter werden zumeist ganz klassisch mit den international verbreiteten Figuren symbolisiert, doch für den Fall der Fälle solltest du dir merken, dass Otoko (男, おとこ) für Mann und Onna (女, おんな) für Frau steht.

Washlets werden meistens über eine Fernbedienung oder eine Schaltfläche neben der Toilette gesteuert. Die Spülung wird entweder klassisch mechanisch oder über eine Schaltfläche ausgelöst. Oft gibt es zwei verschiedene Knöpfe, welche mit 大  (おお, ō) für „Groß“ und 小 (すこ, suko) für „Klein“ beschriftet sind.

Falls du ungewollt irgendeine Funktion des Washlets aktivierst, reicht es oft den „Stopp“ Knopf mit dem Kanji 止 (, to) zu drücken.

Ansonsten ist es sicherlich hilfreich zu wissen wie du die sagenumwobenen Wasserstrahler benutzen kannst. Drücke hierzu auf den Knopf mit der Aufschrift ビデ (bide) für die vorderen Regionen und おしり (oshiri) für die hinteren. In vielen Fällen sind besagte Knöpfe auch mit leicht verständlichen Symbolen gekennzeichnet.

Stelle allerdings sicher, dass du nicht vor Schreck plötzlich aufstehst, während die Strahler des Washlets aktiv sind. Zwar haben viele japanische Toiletten mittlerweile eingebaute Drucksensoren, um sicherzustellen, dass die Strahler sich im Ernstfall automatisch abschalten, jedoch hat schon so mancher Tourist sich so einer ungewollten Dusche unterzogen. Die Stärke des Wasserstrahls (水勢, すいせい, suisei) kann stärker (強, きょう, kyō) oder schwächer (弱, じゃく, jaku) eingestellt werden. Falls vorhanden, schaltet der Knopf mit der Aufschrift 乾燥 (かんそう, kansō) den eingebauten „Föhn“ ein.

Nun solltest du perfekt auf die Verwendung einer modernen japanischen Toilette vorbereitet sein! Und glücklicherweise gehören die öffentlichen Toiletten in Japan zu den saubersten der Welt, womit fast jeder Besuch eine sehr angenehme Erfahrung ist.