Der japanische Kimono: Japans Mode im Wandel der Zeit

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Der japanische Kimono ist ein zentraler Bestandteil der Kultur Japans und gilt trotz kontinuierlich wechselnder Modetrends nach wie vor als Ikone des Landes. Die wörtlich übersetzte “Anziehsache” wurde von großen Teilen der Gesellschaft regelmäßig getragen und nimmt eine bedeutende Rolle in der Geschichte Japans ein.

Geschichte des japanischen Kimonos

Aufzeichnungen aus dem 3. Jahrhundert berichten von einem Einteiler, der sowohl von Frauen als auch Männern getragen wurde. Dies gilt als Ausgangspunkt für den japanischen Kimono, wie wir ihn kennen. Für Frauen begann es mit dem kantoi, einem ärmellosen Gewand. Das entwickelte sich dann zum kosode, mit kurzen Ärmeln.

Viele der damaligen Kleidungsstücke waren noch von der chinesischen Kultur beeinflusst, aber während es sich immer weiter zu einem japanischen Kleidungsstück wandelte, passte es sich jeder Epoche an. Die Länge der Ärmel änderte sich und die verschiedenen Schichten wurden ebenfalls angepasst, für mehr Tragekomfort.

Der Unterschied zwischen den Stilen der Damen- und Herrenbekleidung variierte stärker, als sich die Gesellschaft während der Edo-Zeit (1603-1868) veränderte. Herrenbekleidung und insbesondere der Kimono waren weiterhin praktisch gehalten und die Farben blieben eher zurückhaltend. Da Frauen als Teil der “privaten” Seite der Gesellschaft angesehen wurden und daher nur wenig Bedarf an Praktikabilität bestand, konnten sie freie Entscheidungen in Bezug auf Farben und Stil treffen.

Der kosode wurde dann zum Kimono der Meiji-Zeit (1868-1912), wobei es kaum noch Veränderungen an der allgemeinen Form gab, sondern neue Muster und Stile im Fokus standen.

Der japanische Kimono wird oft mit den geisha in Verbindung gebracht, welche das Gewand im eleganten und professionellen Stil tragen, während sie ihre Gäste unterhalten. In unserem Artikel hier kannst du noch mehr über Geishas lesen.

Art of the Kimono GER

Die verschiedenen Bestandteile

Auch wenn sich die Stile im Laufe der Jahre verändert haben und auch die Komponenten des Kimonos im Laufe der Geschichte wechselten, sind die aktuellen Bestandteile seit der Edo-Zeit weitgehend unverändert geblieben.

Kimono

Der Hauptbestandteil des Gewands besteht aus einem einzigen Stoffballen, genannt tanmono. Er ist 13 Meter lang und wird dann in 8 Teile unterteilt, welche schließlich den Hauptteil ergeben.

Ein dekorativer Kragen, oder haneri, schützt den Kragen des Kimonos vor Schmutz und wird an das nagajuban befestigt. Das ist eine schlichte Robe, die unter dem Kimono getragen wird.

Männer tragen außerdem noch traditionelle weitgeschnittene Hosen, genannt hakama.

Obi

Der japanische Kimono wäre nicht vollständig ohne den breiten Gürtel, der alles am richtigen Platz hält. Da der obi oft lang, sehr fest und auf komplexe Weise gebunden sein kann, trägt man für gewöhnlich eine Schnur namens koshihimo darunter, um sicherzustellen, dass der Kimono richtig zugebunden ist. Das obiage ist ein schalartiges Tuch, das über dem obi getragen wird.

Der obi kann in Stil und Farbe genauso viel variieren wie der Kimono selbst und sogar die Art und Weise, wie er gebunden wird, hat sich im Laufe der Zeit verändert. Allein mit den verschiedenen obi-Typen und -Stilen könnten wir noch einen ganzen Artikel füllen!

Obijime

Eine dekorativ geflochtene Schnur, die über den obi gebunden wird. Sie kann auch mit einer Brosche oder einem Besatz verziert werden, was als obidome bezeichnet wird.

Geta

Diese hölzernen Sandalen haben eine dicke Sohle und werden oft zum Kimono oder yukata getragen. Viele tragen aber auch die niedrigeren zori, die entweder aus Holz, Reisstroh, Leder, Stoff, Gummi, oder synthetischen Materialen gefertigt werden.

Haori

Das ist ein kurzer Mantel im selben Stil wie der Kimono und wird zwar traditionell von Männern getragen, findet mittlerweile aber auch bei Frauen große Beliebtheit. Es gibt viele verschiedene Arten von haori – nennenswert ist hierbei vor allem der happi, welcher häufig von Ladenbesitzern getragen wird und mit kanji oder einem Branding versehen ist.

Oft werden sie vorne mit zwei kurzen Schnüren gebunden, die haori himo genannt werden.

Tabi

Diese Socken haben gespaltene Zehen und halten die Füße warm, während man bequem seine geta Sandalen trägt.

Zum japanischen Kimono können noch viele weitere Accessoires getragen werden, von denen einige für den Träger praktisch und andere rein dekorativ sind.

Material und Gestaltung

Der japanische Kimono besteht traditionell aus Seide und wird aus gefärbten Garnen gewebt. Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Techniken verwendet, um Muster auf Kimonos zu erstellen. Die Techniken reichen von shibori (japanischer Batik) über Stickerei bis hin zum Drucken. Früher wurden die Designs von Hand oder mit Schablonen gefärbt.

Die Muster und Farben waren oft ein Kennzeichen für den sozialen Status und die allgemeine Situation. Im letzten Jahrhundert haben sich die Muster mehr gewandelt und im Folge der Veränderungen weltweiter Modestile weiterentwickelt. Es gibt noch immer Indikatoren für den gesellschaftlichen Status, aber nicht mehr so spezifisch wie früher.

Einige gebräuchliche Symbole und Farben haben sich im Laufe der Jahre jedoch nicht geändert:

Kraniche

Der Kranich ist zwar ein reales Lebewesen, ist in Japan aber vor allem in der Mythologie weit verbreitet. Er soll Tausende von Jahren im Land der Unsterblichen leben und wird daher mit Langlebigkeit und Glück verbunden.

Kirschblüten

Das Motiv der sakura kann zu jeder Jahreszeit getragen werden, wird aber in erster Linie mit Frühling und einer guten Ernte assoziiert.

Hier kannst du noch mehr über die Kirschblüte und ihre Bedeutung in Japan erfahren.

Mandarinente

Die Enten sind in Japan das Äquivalent zur Turteltaube und daher ein beliebtes Motiv auf Hochzeitskleidern.

Chrysantheme

Die Chrysantheme wird in Japan regelrecht verehrt und ist nicht umsonst die Nationalblume. Sie ist ein weiteres Symbol für Langlebigkeit sowie für Glück in der Erntezeit. Die weiße Chrysantheme hingegen wird mit dem Tod und Beerdigungen verbunden, also wähle mit Bedacht!

Lila

Die Farbe Lila symbolisiert unsterbliche Liebe. Denn die Pflanze, die für eine violette Färbung des Stoffes sorgt, hat lange Wurzeln und festigt sich sehr gut im Boden – und das gilt als Zeichen für Beständigkeit.

Rot

Diese Farbe ist bei jungen Leuten sehr beliebt und symbolisiert Glamour und Charme.

Volksmärchen

Weniger ein spezifisches Motiv, als ein allgemeines Thema. Ein Kimono bedruckt mit Landschaftsszenen oder Schauplätzen aus Volksmärchen soll mehr Eleganz und Kultiviertheit ausstrahlen.

Globaler Einfluss

Als sich Japan im 18. Jahrhundert der Welt öffnete, reiste auch die Inspiration aus Japan mit den Handelsschiffen. Infolgedessen beeinflusste die japanische Mode als Teil der Japonismus-Bewegung verschiedene Teile der europäischen Mode.

Noch heute beeinflusst der japanische Kimono Modedesigner auf der ganzen Welt. Alexander McQueen ist einer der bedeutendsten Liebhaber des traditionellen Gewands und hat über die Jahre schon oft Kimonos in seine Modelinie mit integriert.

Der Kimono hatte sogar Einfluss auf diverse Kostüme der Star Wars-Filme, welche an sich schon stark von Akira Kurosawas Film “Die verborgene Festung” beeinflusst wurden. George Lucas stützte sich auf viele Elemente der japanischen Kultur und des japanischen Kinos, insbesondere in Bezug auf Mode.

Der japanische Kimono heute

Heutzutage ist der japanische Kimono eher für formelle Anlässe gedacht und auf Festivals wird stattdessen ein Yukata getragen, da er eine leichtere und billigere Alternative darstellt.

Lies dir hier unseren Artikel durch und erfahre, wie und wann genau ein Yukata getragen wird.

Der japanische Kimono wird manchmal auch aus synthetischen Stoffen hergestellt, da Seide ziemlich teuer ist. Einige Modedesigner in Japan haben Kimonos auch an die Jugendkultur angepasst. Mit Ausstellungen rund um den Globus wird es außerdem erneut als Symbol Japans aufgegriffen.

In Harajuku kannst du sogar günstig gebrauchte Kimonos kaufen, also probiere es mal aus und verleihe dem traditionellen Kleidungsstück deinen persönlichen Touch!

Du möchtest mehr über die japanische Kultur lernen? Lies weitere spannende Artikel auf unserem Blog!

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