Um die Gestalt der japanischen Geisha ranken sich noch heute die verschiedensten Erzählungen. Wir werfen hier einen Blick auf die Person an sich sowie ihr Rolle in der Geschichte Japans und der heutigen Zeit.

Was ist eine Geisha eigentlich?

Der Begriff Geisha (芸者, げいしゃ) besteht aus den japanischen Wörtern für Kunst (芸) und Person (者). Eine Geisha ist demnach eine Person der Künste, was eigentlich auch schon beschreibt, was sie macht. Mit der Darbietung japanischer Künste versucht eine Geisha ihre Gäste zu unterhalten. Dazu zählt nicht nur das Beherrschen japanischer Musikinstrumente wie Shamisen, Koto und Tsuzumi, sondern auch Tanz und Gesang sowie die Durchführung einer traditionellen Teezeremonie. Zudem sind Geisha Meisterinnen in der Kunst der Konversation und wissen mit ihren Gästen geistreiche Gespräche zu führen. Sie sollen anmutig und charmant, aber auch sehr gebildet wirken, und kennen sich natürlich mit den Regeln der Etikette bestens aus.

Vor allem im westlichen Teil Japans, was Kyoto und Kanazawa betrifft, werden Geishas meist als Geiko (芸子, げいこ) bezeichnet. Ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang oft genannt wird, ist Maiko (舞子, まいこ). Als tanzendes Mädchen werden hiermit die Geishas in Ausbildung bezeichnet. Natürlich gibt es auch für diese mehrere Begriffe, aber Maiko ist davon der geläufigste.

Geisha auf der StraßeCopyright © Marco Crisari. (fadingasia.com) All rights reserved.

Geisha in der japanischen Geschichte

Schaut man zurück in die japanische Geschichte, wird man feststellen, dass die ersten Geishas Männer waren. Diese Personen der Künste wurden allerdings nach und nach durch Frauen ersetzt und entwickelten sich aus den sogenannten „tanzenden Mädchen“ (踊り子, おどりこ), die bereits in jungen Jahren gegen Bezahlung mit Tänzen unterhielten. Auch in Japans Freudenvierteln waren die Auftritte von Geisha gefragt, allerdings nicht im erotischen Bereich, sondern ebenfalls als Unterhalterin bei nächtlichen Veranstaltungen und Festessen. Ein erotisches Auftreten war den Geisha sogar untersagt, damit sie nicht mit den Prostituierten in Konkurrenz traten.

Ihre Blütezeit hatten japanische Geishas im 18. und 19. Jahrhundert. Sie waren als Entertainerinnen bei Abendessen sehr beliebt und zu Spitzenzeiten gab es in ganz Japan etwa 80.000 von ihnen. Die meisten lebten in bestimmten Vierteln, den Hanamachi, in den verschiedenen Städten. Noch heute ist Gion in Kyoto dafür am bekanntesten. In Tokyo sind es Shimbashi, Asakusa und Kagurazaka.

Der Einfluss des Westens, die Meiji-Restauration und vor allem der Zweite Weltkrieg wirkten sich negativ auf die Welt der Geisha aus. Viele Geisha-Häuser eröffneten nach dem Krieg nicht wieder, und die, die es taten, fanden sich in einem Nachkriegsjapan wieder, dass kein Geld aber auch nicht mehr die Zeit für diese Künste hatte. Dadurch ging die Zahl der japanischen Geishas dramatisch zurück.

Geisha in einem TaxiCopyright © Marco Crisari. (fadingasia.com) All rights reserved.

Geisha in der heutigen Zeit

Heutzutage arbeiten noch etwa 1.000 bis 2.000 Frauen in diesem Beruf und sind vorwiegend in Teehäusern oder in exklusiven japanischen Restaurants zu finden. Sie sind immer noch die Bewahrerinnen der traditionellen Künste, entwickeln sich aber auch immer mehr zu eifrigen Geschäftsfrauen. Ihre Ausbildung fangen die meisten jungen Frauen nach der Mittel- oder Oberschule an und starten so erst im Erwachsenenalter in das Leben einer Geisha. Einige berichten sogar im Internet über ihren Alltag. Auch nicht-japanische Geishas wurden inzwischen anerkannt.

Das Buchen einer Geisha für eine Party oder Veranstaltung ist meist eine teure Angelegenheit und so bleibt es vielen verwehrt ihre Künste zu erleben. Mit etwas Glück kann man sie aber auch bei Auftritten zu japanischen Festen oder bei besonderen Shows finden. Eine Möglichkeit bietet das Gion Corner in Kyoto, das einen Maiko- und Geiko-Tanz im Programm hat.

Kleiner Hinweis zum Schluss: Wenn du auf den Straßen von Kyoto denkst, dort laufen viele Maikos und Geishas herum – sei dir bewusst, dass 90 % davon nur Touristen sind, die sich so einkleiden lassen haben.