Was ist das Obon-Fest? Ein Guide zu Japans Fest der Seelen

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Glowing lanterns at night for obon

Warum sollten die Lebenden überhaupt den ganzen Spaß haben? Jeden 7. Monat des Jahres feiert man in Japan das Obon-Fest, eine der längsten Feiertagsperioden des Jahres. Aber was ist Obon? Kurz gesagt ist es ein wohltuendes Familienereignis, gemischt mit einem Schuss Übernatürlichkeit. Es ist ein Feiertag zum Erinnern, und um das Leben mit geliebten Menschen zu feiern.

Der beste Teil? Auch die Geister unserer längst verstorbenen Vorfahren dürfen sich der Party anschließen. Lies weiter und erfahre mehr über den Feiertag und wie er gefeiert wird.

Was ist das Obon-Fest? 

Obon ist ein traditioneller japanischer Feiertag, welcher der Familie und den Liebsten der Vergangenheit gewidmet ist. Es ist wie eine Mischung aus Halloween, Totensonntag und nordamerikanischem Thanksgiving.

Familien versammeln sich für die Feierlichkeiten normalerweise in ihren Heimatstädten, besuchen Gräber, führen Rituale durch und nehmen an Festen teil. Allerdings hat nicht jede Familie die gleichen Bräuche.

Die Termine für Obon variieren je nach Region. In den meisten Teilen Japans – darunter Kyoto, Osaka und Nara – findet Obon vom 13. bis zum 16. August statt, wobei die drei wichtigsten Festtage auf den 13. bis 15. August fallen. In Tokio und Yokohama wird Obon einen Monat früher gefeiert, nämlich vom 13. bis zum 16. Juli. Okinawa richtet sich nach dem Mondkalender, daher verschieben sich die Obon-Termine dort von Jahr zu Jahr.

Gelb glühende Laternen bei Nacht.

Geschichte von Obon

Der tatsächliche Ursprung von Obon ist nicht ganz klar. Aber es hat eine über 500 Jahre lange Geschichte, die von buddhistischen Traditionen geprägt ist.

Der Legende nach hatte ein Schüler Buddhas vor langer Zeit eine Vision von seiner toten Mutter. Sie war im Reich der hungrigen Geister gefangen (sprich: kein lustiger Ort). Also befreite der Schüler den Geist seiner Mutter von dem Leid, durch das Darbringen von Speisen und Getränken.

Diese Geschichte hat sich im Laufe der Zeit langsam weiterentwickelt und damit auch die Bedeutung des Obon-Festes etwas verändert.

Heutzutage ist Obon ein Familientag, zur Feier sowohl lebender als auch verstorbener geliebter Menschen. Es werden Kimono und Yukata getragen, an traditionellen Festen teilgenommen und sogar japanisches Streetfood gegessen.

So feiert man das Obon-Fest

Obon-Feste verlaufen angelehnt an einer mystischen Reihe von Ritualen. Schau dir zuerst die Details zu den Ritualen an und erfahre dann, wie du selbst daran teilnehmen kannst.

Obon Rituale

    • VorbereitungenBevor Obon beginnt, bereiten einige Familien zwei Schmuckstücke für die Ankunft ihrer Vorfahren vor, welche Shouryou Uma (精霊馬) genannt werden. Und zwar sind das eine Aubergine (die eine Kuh repräsentiert) und eine Gurke (die ein Pferd repräsentiert), mit darin steckenden Stäbchen. Familien hoffen, dass ihre Vorfahren auf dem Pferd schnell nach Hause zurückkehren und auf der Kuh langsam wieder zurück in die Geisterwelt kommen.
    • Begrüßung der VorfahrenAm ersten Tag von Obon entzünden die Feiernden ein kleines Feuer namens ogara (麻幹). Die Geister der verlorenen Familienmitglieder folgen dem Rauch, der durch dieses Feuer entsteht, um in das Land der Lebenden zurückzukehren.
    • Gräber besuchen. Die meisten Familien nehmen sich etwas Zeit, um Gräber zu besuchen und ihren Respekt zu erweisen. Üblich sind hierbei das Reinigen der Steine, das Mitbringen des Lieblingssnacks oder -Sakes eines Familienmitglieds, und das Darbieten von Wasser oder Blumen.
    • Abschied nehmen. Am letzten Tag von Obon ist es Zeit, loszulassen und sich zu verabschieden. Familien führen die Geister mit traditionellen chochin Laternen (提灯) zurück zum Grab. Oft werden auch schwimmende Laternen in einem Ritual namens toro nagashi (灯籠流し) verwendet. Beides ist oft ein bittersüßer, bewegender und nostalgischer Anblick.
Person in blauem Kimono hält einen Fächer zum Obon-Fest

Obon Feste

    • Okuribi (送り火) -Feste. Okuribi sind kleine Feuer, welche die Geister auf die andere Seite zurückführen sollen. Einige Regionen entzünden aber auch riesige Lagerfeuer am Meer oder in den Bergen.

Bei Kyotos Gozan no Okuribi (五山の送り火) kannst du ein spektakuläres Feuer auf einem Berggipfel sehen. Oder schau dir Funakko Nagashi (舟っこ流し) in Iwate an, wo die Namen der Toten auf Papier geschrieben und an ein Boot geklebt werden, welches dann auf dem Wasser entzündet wird.

    • Bon Odori – Obon TanzfesteBon Odori (盆踊り) ist ein Muss, um die Geister der Vorfahren willkommen zu heißen. Auf den Straßen sieht man Scharen von Nachtschwärmern und Tänzern in traditionellen Gewändern, die sich zum Takt der Taiko-Trommeln bewegen. Die Tänze variieren je nach Region und sorgen für einen lebhaften Abend voller Unterhaltung.

Bon-Odori-Tänze finden in der Regel in Tempeln, Parks oder auf Freiflächen statt, wo eine erhöhte Plattform namens Yagura (櫓) errichtet werden kann, die als Mittelpunkt des Tanzes dient. Odori-Tänze sind aufgrund ihrer einfachen und sich wiederholenden Bewegungen in der Regel leicht zu erlernen, dennoch gibt es viele verschiedene Versionen, die je nach Region und verwendeter Musik einzigartig sind.

Die Festivalbesucher tragen in der Regel Yukata (浴衣) – einen leichten Baumwollkimono, der im Sommer getragen wird – und genießen die lebhafte Festivalatmosphäre mit Odori-Tänzen, Imbissständen, Laternen und Feuerwerk. Obwohl die Temperaturen hoch sind, ist auch die Stimmung hoch – sowohl bei den Menschen als auch bei den Ahnen.

Drei Festivals gelten weithin als Japans „drei große Bon-Odori“:

Nishimonai Bon Odori (西馬音内盆踊り), Akita. Dieses Fest findet jedes Jahr im August an drei Nächten in der Stadt Ugo statt und ist das feierlichste und stimmungsvollste der drei. Die Tänzer tragen indigoblaue Aizome-Yukatas und verbergen ihre Gesichter hinter geflochtenen Strohhüten oder schwarzen Kapuzen, sogenannten Hikosa-Zukin, während sie im Schein des Feuers zu langsamer, eindringlicher Musik tanzen. Die verborgenen Gesichter sollen die Geister der Verstorbenen symbolisieren, die gemeinsam mit den Lebenden tanzen; daher wird das Fest manchmal auch Mōja Odori – der „Tanz der Toten“ – genannt.

Awa Odori (阿波おどり), Tokushima. Japans größtes und berühmtestes Tanzfestival, das jedes Jahr im August über eine Million Zuschauer nach Tokushima lockt. Rund 100.000 Tänzer, die in Gruppen namens ren organisiert sind, ziehen zu den Klängen von Shamisen, Taiko und Flöte durch die Straßen.

Gujō Odori (郡上おどり), Gifu. Es findet an etwa 30 Abenden zwischen Sommer und Frühherbst statt, mit einem Tanzmarathon, der die ganze Nacht dauert, während der Hauptzeit des Obon-Festes. Im Gegensatz zum Parade-Stil des Awa Odori steht beim Gujō Odori eine kleine Gruppe von Sängern und Musikern im Mittelpunkt, die auf einem erhöhten Festwagen in der Mitte eines einzigen großen Kreises sitzen, während Einheimische und Besucher gemeinsam um sie herum tanzen. Zehn traditionelle Tänze wechseln sich die ganze Nacht über ab, während sich der Kreis durch die Stadt bewegt; manchmal dauert das Fest vom Abend bis zum Morgengrauen.

Vergiss aber nicht, dass du unter fast 30.000 anderen Teilnehmern sein wirst. Das mag zwar überfüllt sein, bietet aber gleichzeitig auch viele Chancen, mehr Japanisch zu sprechen.

Häufig gestellte Fragen zu Obon

  • Wann findet Obon statt?
    In den meisten Teilen Japans wird Obon jedes Jahr vom 13. bis zum 16. August gefeiert, wobei der dreitägige Kernzeitraum vom 13. bis zum 15. August fällt. In Tokio und Yokohama wird Obon einen Monat früher gefeiert, nämlich vom 13. bis zum 16. Juli. Okinawa richtet sich nach dem Mondkalender, daher variieren die Obon-Termine dort von Jahr zu Jahr.
  • Ist Obon in Japan ein gesetzlicher Feiertag?
    Nein, Obon ist kein offizieller nationaler Feiertag, aber viele Unternehmen schließen Mitte August oder reduzieren ihren Betrieb, sodass es de facto wie eine Ferienzeit wirkt, in der viele Inlandsreisen unternommen werden.
  • Was ist der Unterschied zwischen Obon und Halloween oder dem Día de los Muertos?
    Obon hat mit beiden Festen gemeinsame Themen: Wie bei Halloween geht es um die Rückkehr der Seelen in die Welt der Lebenden; wie beim Día de los Muertos steht die Ehrung verstorbener Familienmitglieder im Mittelpunkt – mit Opfergaben, Grabbesuchen und Feierlichkeiten statt Trauer.
  • Was sollte ich während Obon essen oder anziehen?
    Yukata (ein legerer Sommerkimono) ist eine übliche Festkleidung. Traditionelle Obon-Gerichte und Streetfood sind bei Bon-Odori-Festivals und lokalen Veranstaltungen weit verbreitet.
  • Wo kann ich Bon-Odori-Tänze sehen?
    Bon-Odori-Feste finden während der gesamten Obon-Saison landesweit in Tempeln, Parks und auf öffentlichen Plätzen statt. Zu den „drei großen Bon-Odori“ Japans zählen das Awa-Odori in Tokushima, das rund 1,3 Millionen Zuschauer anzieht, das Gujō-Odori in Gifu und das Nishimonai-Bon-Odori in Akita.

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