Nach Japan auswandern: Claudias Erfahrung

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Wir haben Claudia interviewt, Go! Go! Nihon und Yoko Lost in Japan Bloggerin. Sie ist in 2016 nach Japan ausgewandert und hat einige Tipps für euch, wie ihr dieses wunderbare Land genießen könnt!

Hi Claudia, erzähle uns bitte ein bisschen von dir selbst! Woher kommst du genau?
Hallo, ich bin Claudia und komme aus Deutschland. Um genau zu sein, aus dem schönen Jena in Thüringen. Ich habe mich schon seit meiner Jugend für Anime und Manga und dadurch dann auch für Japan interessiert. Im Oktober Oktober 2016 bin ich nach Japan ausgewandert und lebe nun im Großraum Tokyo zusammen mit meinem japanischen Ehemann und unserer Katze. Ich berichte sowohl auf meinem Blog Yoko-LostinJapan.de aber auch auf meinem Youtube-Kanal und meinen anderen Social Media Kanälen wie Twitter, Instagram und Facebook über unser Leben.

Wann bist du das erste Mal nach Japan gekommen?
Meine erste Japan-Reise war über Neujahr 2010/11 für 10 Tage. Es war meine erste Reise allein – und dann auch noch so weit weg. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich aus einem Meter Schnee in Deutschland losgeflogen bin und dann mit dem Zug durch die grüne Landschaft von Narita nach Yokohama gefahren bin. Das war mein erster Kulturschock. Bei meiner ersten Reise war ich vorwiegend in Tokyo und Yokohama unterwegs, mit zwei Tagesausflügen nach Kamakura und Kyoto. Es war ein unvergessliches Erlebnis, das mich immer wieder in das Land kommen lassen hat.

Wie hast du Japanisch gelernt?
Am Anfang habe ich versucht mir Japanisch selbst beizubringen. Das war vor über 10 Jahren aber noch um einiges schwieriger als heutzutage. Damals hatte ich kein Smartphone, keine Sprachlern-Apps und auch im Internet war damals noch nicht allzu viel zu finden.

Mit meinem 18. Geburtstag und der Möglichkeit überall mit dem Auto hinfahren zu können (ich merke an, dass ich aus einem Dorf mit nicht mal 300 Einwohnern komme), habe ich einen Japanisch-Kurs an der Volkshochschule begonnen. Wir hatten einen tollen Japaner als Lehrer, allerdings war das Lerntempo mit 90 Minuten in der Woche natürlich recht langsam.

Um das Sprechen und Verstehen zu üben, hatte ich ab den 3. Semester immer eine Tandem-Partnerin. Da an der Universität in Jena immer Austauschstudenten aus Japan waren, war das sehr praktisch. So vergingen die Jahre, aber ich bin bis heute nur etwa auf den JLPT-Level N4~N3.

Wie hast du in Japan dann weiterhin Japanisch gelernt?
Im Herbst 2013 bin ich mit dem Working Holiday Visum für ein Jahr nach Japan gekommen. Zu Beginn meines Aufenthaltes habe ich mich für einen Monat in einer Sprachschule eingeschrieben, um einen guten Einstieg in mein Jahr zu haben. Es gab einen Einstufungstest und dann hatte ich jeden Nachmittag mehrere Stunden Unterricht. In der Schule wurde nur Japanisch gesprochen, was am Anfang natürlich schwierig war, aber am Ende hatte ich das Gefühl in dem einen Monat an der Sprachschule mehr gelernt zu haben als in den bisherigen 5 Jahren an der Volkshochschule.

Claudia kimono

Warum bist du nach Japan ausgewandert?
Mein Interesse an Anime und Manga wich irgendwann dem Interesse an der Japanischen Musik und der japanischen Kultur selbst. Ich gehe gern zu Konzerten und inzwischen nutze ich meine Zeit in Japan mehr über das Land und die Leute hier zu lernen. Ich bin sehr offen für die verschiedensten Dinge und so konnte ich auch schon viele kulturelle Aspekte ausprobieren. Dazu gehören das Tragen von Kimono, traditionelle Töpfer- und Färbetechniken, Ikebana und viel mehr. Es gibt jede Menge zu entdecken und ich freue mich darauf. Solche Sachen kann man natürlich auch als Tourist machen. Warum ich nach Japan am Ende ausgewandert bin, liegt an meinem Mann. Ohne ihn hätte ich es mich wahrscheinlich nicht getraut, diesen großen Schritt zu machen.

Bist du schon viel durch Japan gereist? 
Ich liebe das Reisen! Inzwischen habe ich 37 der 47 Präfekturen in Japan besucht und mein Ziel ist es natürlich alle zu bereisen. In den vergangenen fast 10 Jahren habe ich zahlreiche Orte sehen können und alle sind so unterschiedlich, dass man kaum sagen kann, welcher der Beste ist. Natürlich ist die berühmte goldene Route von Tokyo nach Kyoto/Osaka sehr sehenswert, aber es gibt in ganz Japan sehr viel zu erleben. Mir hat vor allem meine Reise durch Kyushu sehr gefallen, aber auch Orte wie Kusatsu Onsen, Kanazawa und Okayama sind sehr interessant.

Was genau hast du in Japan gemacht mit deinem Working Holiday Visum?
Mein Working Holiday Jahr war ein einmaliges Erlebnis. Es war das erste Mal, dass ich von zuhause weg und auf mich selbst gestellt war. Ich hatte eine Stelle in einer österreichischen Konditorei, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Auch habe ich die Zeit zum Reisen genutzt und bin, neben zahlreichen kleineren Ausflügen für sechs Wochen durch den Westen Japans gereist. Das Jahr in Japan hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben und ich bin sehr für die Zeit dankbar.

Hast du schon einmal an einem Workshop teilgenommen?
Ja, ich hatte im vergangenen Jahr die Chance an zwei Workshops teilzunehmen. Zum einen war das ein Wagashi-Workshop, der wirklich sehr interessant war. Ich liebe die traditionellen japanischen Süßigkeiten und es war sehr spannend diese einmal selbst zu formen. In Zukunft möchte ich mich auch noch mehr damit beschäftigen.

Zudem habe ich am Taiko Workshop teilnehmen können, der wirklich sehr viel Spaß gemacht hat. Es ist wirklich einmal etwas anderes selbst die Trommel zu schlagen anstatt immer nur zuzuhören. Da merkt man erst, was für eine Energie dahinter steckt.

Ich finde es toll, dass es von Go! Go! Nihon bzw Studytrip.com solche Angebote gibt.

Gefällt dir die japanische Pop Kultur? 
Wie bereits erwähnt ist mein Interesse von Manga und Anime inzwischen zur Musik gewechselt. Im Schnitt gehe ich einmal im Monat zu einem Konzert im Großraum Tokyo. Dazu gehören Sängerinnen wir Ayumi Hamasaki, Ai Otsuka und Hikaru Utada. Aber ich mag auch Rockmusik sehr. Meine Lieblingsband in diesem Bereich sind MUCC, heidi. und One Ok Rock, aber auch Luna Sea, X Japan und mehr.

Konzerte in Japan machen sehr viel Spaß und sind teilweise anders im Vergleich zu Deutschland. Es herrscht eine andere Atmosphäre und auch Fandoms sind sehr unterschiedlich. Wenn ihr japanische Musik mögt, solltet ihr in Japan mal ein Konzert besuchen.

Claudia cake

Was ist der größte Unterschied zwischen Deutschland und Japan? 
Ich lebe nun seit über 2 ½ Jahren in Japan und habe mein Leben inzwischen recht gut angepasst. Vor allem der Alltag unterscheidet sich bei mir sehr. In Deutschland hatte ich einen 40 Stunden Bürojob. In Japan bin ich nun Englisch-Lehrer, arbeite meist nachmittags und komme erst recht spät nach Hause.

Je nachdem, was man für Bedürfnisse hat, kann das Leben in Japan sehr teuer sein. Vor allem mir als Obstliebhaber fallen die Preise für Obst sehr schwer. Dafür sind andere Lebensmittel und japanisches Fastfood wie Ramen und Kaiten-Sushi recht günstig.

Aber auch kulturell ist das Leben in Japan recht anders. Die Mitarbeiter sind alle sehr freundlich, auch wenn das teils nur eine Fassade nach außen ist, weil Japaner oft ihre Gefühle nicht öffentlich zeigen. Es ist auch schwierig enge japanische Freunde zu finden – einmal, weil viele sehr verschlossen sind. Andererseits haben viele neben der Arbeit auch kaum Zeit für häufige Treffen. Aber inzwischen gibt es auch viele Möglichkeiten andere Leute kennen zu lernen und mit diesen Japan zu entdecken.

Empfiehlst du japanische Sprachschulen?
Wenn man wirklich Japanisch lernen möchte, halte ich das für eine sehr gute Möglichkeit. Man lernt in der Schule jeden Tag sehr viel, was einen zwar auch am Anfang überfordern kann und man muss sich auch wirklich hinsetzen und jeden Tag nach dem Unterricht Hausaufgaben machen und den Stoff wiederholen. Aber zudem hat man im Alltag neben der Schule gleich die Gelegenheit sein gelerntes einzusetzen. Die meisten Sprachschulen haben eine hohe Qualität und einen recht hohen Standard, durch den man sich die Sprache auch sehr gut aneignen kann.

Vielen Dank Claudia für deinen interessanten Erfahrungsbericht über das Auswandern nach Japan! Wir wünschen dir noch viel Spaß hier!

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