Japan ist eines der am weitesten entwickelten Länder der Welt. Die Pünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel, öffentliche Sicherheit und Ordnung, saubere Straßen und hohe Lebenserwartung sind Weltweit bekannt. Im LGTB-Bereich entwickelt sich Japan jedoch recht langsam. Wie ist das LGBTQ Leben in Japan?

Frau hält eine LGBT Flagge

Ist Homophobie ein Thema in Japan?

Prinzipiell gibt es nichts zu befürchten, denn Japan selbst zählt zu den sichersten Ländern der Welt. Es besteht grundsätzlich keine Neugier in das Leben anderer Menschen. Daher ist es nicht üblich Homophobie bzw. ein darauf beruhendes Verbrechen zu erleben.

Jedoch darf nicht davon ausgegangen werden, dass Homophobie in Japan nicht existiert. Das LGBTQ Leben in Japan ist problematischer für Einheimische also für  Ausländer, da die Gesellschaft sehr konservativ ist. Selten habe ich Japaner oder Japanerinnen gesehen die sich zu ihrer Sexualität bekennen. Physische Aggressionen sind sehr selten aber einige Politiker und Politikerinnen haben in der Vergangenheit ihr Abneigung gegen LGBTQ zum Ausdruck gebracht.

So gab es beispielsweise im August 2018 einen berühmten Fall, der die Aufmerksamkeit internationaler Medien auf sich zog. Die japanische Politikerin Mio Sugita (LDP) stellte die Verwendung von Steuergeldern für LGBTQ Zwecke in Frage, wie z.B. die gleichgeschlechtliche Ehe, da sie keine Kinder bekommen – mit anderen Worten, sie sind „unproduktiv“. Etwa zur gleichen Zeit äußerte ein weiterer Politiker der LDP, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen eine Art „Hobby“ sind und daher rechtliche Maßnahmen zur Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen unnötig seien.

Eine rosige Zukunft

Abgesehen von all dem Hass haben verschiedene lokale Regierungen Maßnahmen ergriffen, um gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu legalisiert. Erster war Shibuya, gefolgt von Setagaya (beide in Tokio). Seitdem sind ihnen weitere gefolgt, darunter Sapporo, Fukuoka und Osaka. Bis 2020 werden 22 Städte/Bezirke eine Art der Anerkennung bieten. Die schlechte Nachricht ist, dass die Zentralregierung gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht anerkennt. Daher haben die von lokalen Regierungen ausgestellten Zertifikate in der Praxis wenig bis gar keinen Nutzen.

Provokationen gegen die Regierung sind ebenfalls erfolgt. Am Valentinstag dieses Jahres reichten 13 gleichgeschlechtliche Paare eine Klage gegen die japanische Regierung ein. Sie behaupten, die Heirat sei laut Verfassung ihr Recht, denn im Artikel 24 der Verfassung steht – „Die Ehe beruht nur auf dem gegenseitigen Einvernehmen beider Geschlechter mit den gleichen Rechten von  Ehemann und Ehefrau als Basis.“

Die LGBTQ Stimmen dürfen nicht verstummen, um in Zukunft Erfolge erzielen zu können!

Pride Parade in Japan

Regenbogenparaden

Wie viele andere Länder hat auch Japan seine eigene Version von Pride-Paraden, wobei die erste Veranstaltung erst im Jahr 1994 stattfand. Die Hauptparade ist die Tokyo Rainbow Pride (東京レインボープライド). In der Regel findet sie zwischen April und Mai in Harajuku/Shibuya statt und ist rund 3 km lang. Das Event ist nicht nur ein Marsch sondern auch eine einwöchige Party, die von der LGBTQ-Gemeinschaft in Tokio organisiert wird. Ihr Ziel ist es das Bewusstsein und die Gleichberechtigung zu fördern. Am Wochenende findet im Yoyogi Park (代々木公園) auch eine Eventmesse mit Ständen von Unternehmen und Organisationen statt. Unterstützung, Geschenke, Speisen sowie eine Bühne mit Präsentationen stehen am Tagesprogramm.

In diesem Jahr (2019) findet die Veranstaltung am 27. und 28. April statt, wobei der Marsch erst am 28. April ab 14 Uhr die Straßen erobert. Die Parade beginnt im Yoyogi Park und endet in Shibuya. Im ganzen Land gibt es natürlich noch andere Paraden, wie z.B. das Kansai Rainbow Festa. Informiere dich über Paraden in deiner Nähe, es lohnt sich.

Das berühmte Nichōme Areal

Trotz der Größe der Bevölkerung des Landes sind Nachtclubs und Bars für LGBTQ eher selten. Vor allem im Vergleich zu anderen Ländern und Hauptstädten. Dennoch gibt es unzählige Möglichkeiten die ganze Nacht zu trinken und Einheimische kennenzulernen. Gibt es eine bessere Möglichkeit, Japanisch außerhalb des Klassenzimmers zu üben?

Die bekannteste LGBTQ-Community Region Tokios heißt Nichōme (2丁目) in Shinjuku. In der Gegend gibt es einige LGBTQ Bars (ca.300). Sie sind meist sehr klein, jedoch mit einer freundlichen Atmosphäre. Der Barkeeper ist in den meisten Fällen auch der Besitzer (oder Mama-san genannt). Normalerweise kennt jeder jeden, daher bringen manche von Zuhause sogar Essen zum teilen mit. Die Bars können eine einzigartige Erfahrung sein, jedoch ohne Sprachkenntnisse könnte man sich schnell fehl am Platz fühlen.

Natürlich gibt es einige Bars die als Hotspot für Ausländer bekannt sind. Dragon Men zählt mit einer kleinen Tanzfläche zu den Beliebtesten. Eine weitere berühmte Bar ist The Eagle, die kürzlich eine zweite Bar in Nichōme eröffnet haben. Gold Finger konzentriert sich hauptsächlich auf Lesben und ist an Samstagen nur für Frauen zugänglich. Schließlich kommen wir zum populärsten Nachtclub, das Arty Farty Farty. Ein Tipp: Viele trinken vor dem Seven Eleven in der Gegend bevor es in die Bars/Clubs weitergeht.

Weitere Bars und Clubs sind Campy, AjiRo Cafe, Leo Lounge, FTM Bois (Hotspot für Transsexuelle), The ANNEX und AiSOTOPE Lounge.

Weitere Veranstaltungen

Dragon Men veranstaltet auch ein Event namens Not Alone Café, welches jeden ersten Sonntag im Monat stattfindet. Es ist eine gute Möglichkeit neue Leute kennenzulernen, da die Veranstaltung für jedermann zugänglich ist. Vor allem wenn du neu in Tokio bist. In Nichōme ist ebenfalls Akta, ein Gemeindezentrum für die LGBTQ-Gemeinschaft in Tokio. Obwohl fast alles auf Japanisch ist, findest du trotzdem Leute die Englisch sprechen können.

Eine weitere LGBTQ- Veranstaltung ist das Rainbow Reel Tokyo Filmfestival, das normalerweise im Juli abgehalten wird. Im Jahr 1992 fand das Festival zum ersten Mal statt.

Um mehr über das LGBTQ-Leben in Japan zu erfahren, empfehle ich die Dokumentation Gavcation. Der Herausgeber der Serie ist VICE, sie zeigen das LGBTQ-Leben in verschiedenen Städten der Welt und die erste Episode ist über Tokio!

Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag eine allgemeine Vorstellung über das LGBTQ-Leben in Japan vermitteln konnte. Nicht alles ist perfekt, aber die Zukunft ist vielversprechend!

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