Das Bild der öffentlichen Verkehrsmittel in Japan ist geprägt von sekundengenauen Hochgeschwindigkeitszügen, sich verbeugenden Bahnbeamten und dem gewaltigen Metronetz in Tokyo. All diese Bilder zeigen, dass Japans öffentlicher Personenverkehr vor allem durch die Bahn geprägt ist. Diese wird heutzutage von den großen Bahnunternehmen JR Hokkaido, JR East, JR Central, JR West, JR Shikoku, JR Kyushu sowie weiteren kleineren regionalen Firmen überall auf den vier japanischen Hauptinseln betrieben. Zusammen organisieren sie ein dichtes, landesweites Streckennetz mit zahlreichen unterschiedlichen Zügen – von der Metro bis hin zum japanischen Hochgeschwindigkeitszug, dem Shinkansen.

Dieses gewaltige Bahnnetz zu navigieren, kann etwas einschüchternd wirken, wenn du gerade nach Japan gezogen bist: „Was ist der Unterschied zwischen den unterschiedlichen Bahnanbietern? Wie finde ich mich auf diesen bunten, unübersichtlichen Karten zurecht?“ Aber keine Sorge, mit unseren Tipps behältst du die Orientierung.

Japanische Bahnlinien

Finde dein Ziel und deine Fahrkarte

Vor dem Einsteigen solltest du herausfinden, ob du mit einer Linie eines der JR-Unternehmen oder der eines anderen Unternehmens fährst. Denn davon hängt ab, welche Bahnhöfe du anfahren kannst, und auch, wo du in deiner Startstation einsteigen musst — besonders wichtig ist dies in den großen Metropolräumen Japans. Schaue am Bahnhof zuerst auf die Ausschilderung am Bahnhof, um den richtigen Eingang für deine Bahnlinie zu finden. Glücklicherweise sind die Schilder für viele Verkehrsmittel in Japan heutzutage meist auch auf Englisch beschriftet.

Fahrkarten kannst du an Automaten in der Nähe der Zugänge zu den Bahnsteigen kaufen — auch hier findest du normalerweise auf dem Bildschirm eine Taste für eine englischsprachige Darstellung. Auf dem Bildschirm wirst du dann Kästchen mit den Fahrkartenpreisen finden. Tippe einfach den Fahrpreis an, den du bis zu deinem Fahrtziel zahlen musst. Den Preis kannst du der Übersichtskarte entnehmen, die sich meist direkt oberhalb der Ticketautomaten an der Wand befindet. Schaue dort einfach nach deiner Zielhaltestelle und du wirst darunter den notwendigen Betrag finden. Wenn du umsteigen musst, schaue auch nach deinem Umsteigebahnhof und stelle sicher, dass du dort auch aussteigst. Gerade in Großstädten wie Tokyo und Osaka können die Übersichtskarten erst einmal verwirrend wirken, doch tatsächlich sind sie sehr übersichtlich aufgebaut.

In unserem Artikel zu Tipps und Tricks für das Leben nach der Ankunft in Japan erwähnten wir außerdem bereits die aufladbaren elektronischen PASMO/SUICA-Karten, welche auch für Verkehrsmittel in Japan verwendet werden können. Mit diesen musst du dich nicht mehr um die Suche nach dem richtigen Fahrpreis kümmern, da dieser einfach von der aufladbaren Karte abgebucht wird, wenn du damit durch die Fahrkartenkontrolle gehst.

Kartenlesegerät für elektronische Fahrkarten

Finde deinen Weg

An den Bahnhöfen musst du dann nach den richtigen Linien und Fahrtrichtungen Ausschau halten. Die Namen der Bahnlinien orientieren sich an großen Bahnhöfen oder Regionen, die auf der Strecke liegen, z.B. die Akihabara-Linie in Tokyo. Die Fahrrichtung wird durch die geplante Endstation der Bahn angegeben. Wenn du spät abends unterwegs bist, solltest du darauf achten, dass möglicherweise nicht mehr jede Bahn deiner Linie bis zur letzten möglichen Endstation fährt, sondern schon eine frühere Station als Endstation angegeben sein kann. Dementsprechend ist dann auch die Bahn anders beschriftet, auch wenn sie in dieselbe Richtung fährt.

Auf dem Bahnsteig selbst findest du dann üblicherweise Ausschilderungen, die dir zeigen, in welche Bahnlinie du einsteigen kannst, in welche Richtung du fährst und welche Stationen auf dem Weg liegen. Hier kannst du noch einmal überprüfen, ob du den richtigen Weg genommen hast, oder ob du dich noch einmal auf die andere Seite des Bahnsteigs begeben musst.

Kurzer Tipp: Die mittleren Waggons sind meist am vollsten. Bessere Chancen auf Sitzplätze hast du in den vorderen oder hinteren Abteilen. Im Berufsverkehr solltest du dich aber immer darauf einstellen, stehen zu müssen.

Deine Route planen

Im Vorfeld deiner Fahrt kannst du diese mit Hyperdia oder Jorudan planen. Über die Eingabe von Start- und Zielbahnhof werden dir verschiedene mögliche Verbindungen vorgeschlagen und je nach Seite auch nach schnell/günstig/komfortabel sortiert. Außerdem erhältst du wichtige Informationen wie den Fahrtpreis, Umsteigenotwendigkeiten, Fahrtzeiten und auch die genauen Abfahrtgleise, solltest du in größeren Bahnhöfen umsteigen. Beide Seiten lassen sich auf Englisch aufrufen und bieten außerdem Optionen für Inhaber des JR-Passes sowie auch für ein paar speziellere saisonale Tickets in Japan.

Am Anfang mag es ein wenig dauern, sich im Bahnnetz Japans zurechtzufinden, aber das geht schnell vorbei. Bald wirst du dich problemlos in den Bahnhöfen und im Bahnnetz orientieren können. Sorgen die Nutzung der Verkehrsmittel in Japan am Anfang noch für Angstschweiß, bleibt am Ende nur noch der Genuss eines der besten Bahnnetze der Welt. Plane im Voraus, lade deine Bahnkarte auf und gute Reise!