Wie geht man eigentlich mit einem Kulturschock in Japan um? Mit meiner Ankunft am Haneda Airport in Tokyo ging für mich ein langersehnter Traum in Erfüllung: Endlich hatte ich die Gelegenheit, mich in die Kultur zu stürzen, über welche ich so viel gelesen und gelernt hatte. Doch schon innerhalb der ersten Tage wurde mir eines klar: Ich wusste sehr viel weniger als gedacht!

Japaner sprechen Englisch… oder etwa nicht?

Eines vorweg: Als Europäer ist man in diesem Punkt wohl recht verwöhnt. Wohin man auch geht, in den meisten Großstädten kommt man mit Englisch im Alltag relativ gut zurecht. Daher nahm ich an, dass es in einem der fortschrittlichsten Länder der Welt genauso sei. Falsch gedacht. Fakt ist, dass es in einer der größten Städte der Welt ohne Japanisch teilweise nahezu unmöglich sein kann, gewisse Situationen zu bewältigen, selbst Gestik hat in den meisten Situationen oft einen höheren Kommunikationswert. Jedoch nimmt Japan hier eine Sonderstellung ein, denn oft ist es nicht mal der Mangel an Kenntnissen, sondern die Scheu davor, möglicherweise Fehler zu begehen und damit „sein Gesicht zu verlieren“, welche die Japaner davon abhält, Englisch zu sprechen.

Diese Sprachbarriere kann unter Umständen zu einem kleinen Kulturschock in Japan führen. Allerdings gibt es auch eine gute Nachricht: Wohl kaum ein anderes Volk ist stets so bemüht und zuvorkommend wie die Japaner, was meist das Bestehen von Sprachbarrieren mehr als aufwiegt. Nichts desto trotz: Die Kultur öffnet sich einem erst wahrlich, sobald man sich auch mit der Sprache beschäftigt. Daher lautet mein Rat: Besucht eine Sprachschule, investiert etwas Zeit und Arbeit, ihr werdet doppelt und dreifach dafür entlohnt werden. Und mit der Hilfe von Go! Go! Nihon ist es einfacher denn je, all das auf einen Schlag zu organisieren!

Würfel mit der Aufschrift "nein"

Die Kunst der indirekten Kommunikation

Wo wir gerade schon dabei sind, bleiben wir auch weiterhin beim Thema Sprache, genauer gesagt bei der Kommunikation. Gerade in diesem Bereich erwartete mich eine große Umstellung in der Art wie ich mich ausdrückte, aber auch wie ich andere verstand. Jeder, der sich mal ein wenig über die japanische Kultur informieret hat, ist über die typischen Unterschiede gestolpert, wie man hier untereinander interagiert: Direkter Konflikt wird vermieden, Hierarchie spielt eine enorm große Rolle und es gilt stets die Fassung zu bewahren. Zwar treffen all diese Aussagen absolut zu, jedoch wird einem die Komplexität und Tiefe dieser Thematik erst richtig bewusst, wenn man sie am eigenen Leib, in Form von einem Kulturschock in Japan, erfährt.

Für mich kam dieser Moment, als ich in einem Restaurant einen freundlichen Meinungsaustausch mit einem Kellner hatte, da ich mit einem Aspekt meiner Bestellung unzufrieden war. Ohne groß auf Details einzugehen zu wollen: Ich erläuterte in einer freundlichen Art und Weise mein Problem und erfragte wie man hier auf einen gemeinsamen Nenner kommen könne. Besagter Kellner erwiderte, er verstehe meine Situation vollkommen und stimme mir sogar zu. Erfreut über diese zuvorkommende Haltung wartete ich gespannt auf seinen Lösungsvorschlag, welcher jedoch ausblieb. Ich war verdutzt. Auf meine Nachfrage hin versicherte er mir erneut seine Zustimmung, jedoch beendete er seine Aussage jetzt mit einem Wort, welches in der japanischen Sprache wohl stellvertretend für alle Situationen dieser Art stehen könnte. Seinen Lippen entwich ein langgezogenes chotto.

Frei übersetzt bedeutet dieser allgegenwärtige Ausdruck in etwa “Ein wenig“ oder “Ein bisschen“, oft begleitet von einem scharfen Einatmen durch die Zahnlücken. Kurz gesagt ist es die japanische Version eines simplen „Nein“, ohne jedoch diesen Begriff direkt zu benutzen. Ist man diese Art der indirekten Kommunikation jedoch nicht gewöhnt, kommt man sich schnell ein wenig lächerlich behandelt vor, da der Gegenüber wie in meinem Fall wohl keinerlei Intention oder Möglichkeiten hat, mir entgegenzukommen, dies jedoch auch nicht klar äußern möchte. An dieser Stelle ist es wichtig, das Gefühl von möglicherweise aufkommendem Frust beiseite zu schieben und einfach zu akzeptieren, dass die Konversation damit ihr Ende gefunden hat. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es in diesen Momenten kein Vorwärtskommen mehr gibt, so sehr man es auch versuchen mag.

„Zweite Persönlichkeit“

Dieser Aspekt ist nur ein Teil der diversen Kniffe im alltäglichen Umgang mit Japanern. Meiner Meinung nach, fasst die Situation das Ganze perfekt zusammen: Man muss einfach eine Art „zweite Persönlichkeit“ entwickeln, da man schlichtweg nicht den gleichen Umgang pflegen kann wie in einer westlichen Kultur oder Sprache. Fängt man allerdings an, die japanische Sprache und die Kultur miteinander zu verknüpfen, erkennt man bald auch einige Vorteile dieser Kommunikationsform und gewinnt eine neue Perspektive auf viele Situationen. Außerdem kann man so unter Umständen einem Kulturschock in Japan entkommen. Und letztendlich ist dieser Gewinn an Perspektive einer der größten Vorteile, die man durch einen längeren Aufenthalt in Japan erhält, da man so lernt, alle Situationen anhand von zwei verschiedenen Sichtweisen zu messen. Eine Fähigkeit, die selbst in unserer globalen Welt weiterhin vielen Menschen fehlt!

Falls du einen Kulturschock erleiden solltest, sei nicht besorgt sondern gibt der neuen Situation etwas Zeit. In unserem Blog findest du viele weitere Artikel, die dich auf die Reise nach Japan vorbereiten, um einen Kulturschock in Japan zu vermeiden.