Wer in Japan eine Arbeit sucht, steht früher oder später vor einer schwierigen Entscheidung: was ziehe ich nur zum Vorstellungsgespräch an? Wir geben dir hier wichtige Hinweise dazu, welche Art von Kleidung für ein Vorstellungsgespräch in Japan passend ist.

Die japanische Arbeitswelt ist sehr strikt und genormt. Das trifft auch auf das Bewerbungssystem zu. Wenn du es also schon soweit geschafft hast, dass du zu einem Vorstellungsgespräch, im Japanischen Mensetsu (面接, めんせつ) genannt, geladen wurdest, sollte nun nichts mehr schief laufen. Ein wichtiger Faktor hierbei ist die Kleidung, die aber, wie alles andere auch, recht genormt ist. Die Tradition der Schuluniformen führt sich hier ein wenig fort, denn auch beim Vorstellungsgespräch erscheinen alle einheitlich gekleidet und es ist nicht gewollt, dass jemand aufgrund seiner Kleidung hervorsticht. Auch als Ausländer, der in einer japanischen Firma arbeiten möchte, sollte man sich an diese kulturellen Regeln halten.

Interview clothes

Für Uni-Absolventen und den konservativen Bereich

Wenn man frisch von der Universität kommt, ist die Kleiderordnung recht simpel. Halte dich an die bekannten Regeln, die sich schon seit langer Zeit bewährt haben: einfach und gepflegt. Das gilt auch, wenn du bereits Arbeitserfahrung hast und dich im Finanzsektor, in einem Regierungsbereich oder einem sonstigen, eher als konservativ bekannten Bereich beworben hast. Hier solltest du dich genau so konservativ kleiden.

Für Männer gilt folgendes:

  •  Ein dunkler, gediegener Anzug in schwarz, marineblau oder dunkelgrau. Trage keinen Nadelstreifenanzug oder sonstige auffallende Muster. In Japan gibt es sogar extra Bewerbungsanzüge (Recruit Suit, リクルートスーツ) zu kaufen, die in diesem Bereich am besten passen.
  • Ein weißes Hemd. Hier hängt es ein wenig von der Firma ab, wie hell der Farbton sein muss. 
Allerdings verlangen die meisten von Uni-Absolventen ein reines weißes Hemd.
  • Eine einfache Krawatte, am besten einfarbig mit Punkten oder Streifen. Die meisten wählen 
hierbei blau oder rot, achte dabei aber darauf, dass die Farben auch unterschiedliche 
Persönlichkeiten repräsentieren können.
  • Schwarze oder dunkle Anzugsschuhe.
  • Der Gürtel sollte zu der Farbe der Schuhe passen.
  • Gut sitzende dunkle Strümpfe, die zur Anzughose passen.
  • Accessoires sollten auf ein Minimum reduziert werden. Dazu gehören eine Armbanduhr und, 
falls vorhanden, ein Ehering.
  • Eine schwarze oder dunkle Aktentasche. Hinein sollte zumindest ein A4-Format passen. Habe zur 
Sicherheit auch noch einmal Kopien deiner Bewerbungsunterlagen dabei. Bei Frauen sieht es ähnlich aus:
  • Ein dunkles, gediegenes Kostüm in schwarz, marineblau oder dunkelgrau. Hosen werden zwar akzeptiert, doch in sehr konservativen Bereichen sollte man sich besser an einen Anzug mit Rock halten. Achte darauf, dass der Rock nicht zu eng und nicht zu kurz ist. Auch für Frauen gibt es Recruit Suits zu kaufen.
  • Eine einfache weiße Bluse.
  • Schwarze oder marineblaue Pumps. Der Absatz sollte maximal 5 bis 7 cm betragen. Keine 
offenen Schuhe, Sandalen, Plateauschuhe oder sonstige Auffälligkeiten.
  • Accessoires sollten auch hier auf ein Minimum reduziert werden. Dazu gehören eine einfache Armbanduhr und, falls vorhanden, ein Ehering. Auch schmale Ketten und einfache Ohrstecker 
sind meist akzeptiert.
  • Eine hautfarbene, durchsichtige Strumpfhose.

Eine schwarze oder dunkle Geschäftstasche. Hinein sollte zumindest ein A4-Format passen. 
Habe zur Sicherheit auch noch einmal Kopien deiner Bewerbungsunterlagen dabei.

Interviewer im Anzug

Für Berufserfahrene und den kreativen Bereich

Hier treffen ähnliche Regeln zu, aber es gibt in dem weniger konservativen Bereich natürlich einen größeren Spielraum. Das Wichtigste ist hier, dass man adrett und professionell aussieht. Beachte aber, dass japanische Firmen allgemein eine eher zurückhaltende Einstellung zur Kleidung haben und daher auch solche Kleidung für ein Vorstellungsgespräch in Japan gewählt werden sollte.

Bei Vorstellungsgesprächen in der Modeindustrie und vor allem in kreativen Bereichen kann es sogar gegen dich wirken, wenn du die gleiche Bewerbungsuniform wie alle anderen trägst. Erkundige dich vorher, welche Kleidung die Mitarbeiter dort tragen oder lass dir von jemandem aus dem Bereich Tipps geben, welche Kleidung angemessen ist.

In einem etwas lockereren Umfeld ist es auch möglich, dass Männer ein farbiges oder gemustertes Hemd oder eine interessante Krawatte tragen. Für Frauen besteht die Möglichkeit anstatt einer Kragenbluse auch ein feminineres Oberteil zu tragen.

Für Teilzeitjobs

Wenn du Student oder Sprachschüler bist und einen Teilzeitjob suchst, benötigt es nicht immer einen Anzug zum Vorstellungsgespräch. Natürlich solltest du trotzdem akkurat und professionell gekleidet aussehen.

In Restaurants, Cafés, Bars oder anderen Geschäften mit Lebensmittelkontakt wird meist mehr Wert auf die Sauberkeit gelegt als auf den Kleidungsstil selbst. Du solltest hier darauf achten, dass du (als Mann) glattrasiert bist, aber auch (das gilt für Mann & Frau), dass die Haare ordentlich sitzen, die Fingernägel kurz und sauber sind und auch deine Kleidung sauber und glatt wirkt. Bewirbst du dich für einen Verkäuferjob in einem Kleidungsgeschäft, macht es natürlich auch Sinn Kleidung der dortigen Marke zu tragen oder etwas in einem ähnlichen Stil.

Auch wenn du keinen Anzug tragen musst, solltest du zum Vorstellungsgespräch nicht in Jeans und T- Shirt erscheinen. Trage lockere Business-Kleidung und orientiere dich daran, was die Personen, die bereits dort arbeiten, tragen. Das ist allgemein ein hilfreicher Punkt: halte deine Kleidung auf dem Level der jetzigen Angestellten oder gehe davon ein klein wenig mehr in die formelle Richtung.

Wenn es sich bei deinem Wunschjob um eine Lehrerstelle handelt, egal ob Nachhilfe oder Sprachunterricht, ist meist trotzdem dazu zu raten, einen Anzug zum Vorstellungsgespräch anzuziehen.

Allgemeine Hinweise

Zum Abschluss haben wir hier noch ein paar allgemeine Sachen, auf die man in Japan bei einem Vorstellungsgespräch achten sollte.

  • Sowohl Männer als auch Frauen sollten darauf achten, dass die Fingernägel kurz geschnitten und nicht farbig sind. Klarer Nagellack ist meist in Ordnung, neutrale und unauffällige Farben werden manchmal akzeptiert.
  • Männer sollten in den meisten Betrieben glatt rasiert sein. Wenn du einen Bart hast, sollte dieser ordentlich geschnitten sein.
  • Haare sollten aus dem Gesicht ferngehalten werden. Bei Männern wird meist von einem kurzen Haarschnitt ausgegangen. Frauen, deren Haare länger als schulterlang sind, sollten diese in einem Zopf, Dutt oder Hochfrisur zusammen machen.
  • Trage keine starken, auffälligen Düfte.
  • Frauen sollten Make-up benutzen, aber nicht zu viel. Achte darauf, dass dein Hautton eben 
und glatt wirkt und versuche dunkle Stellen zu retuschieren. Der Lidschatten sollte in natürlichen Tönen gehalten werden, normalerweise einem leichten Braunton, der die Augen vergrößert. Gehe sparsam mit Eyeliner und Mascara um. Achte darauf, dass die Augenbrauen ordentlich gezupft sind. Man sollte zum Vorstellungsgespräch nicht hinreißend geschminkt sein, sondern eher einen gesunden und gepflegten Eindruck hinterlassen.
  • Poliere und säubere deine Schuhe, bügele dein Hemd und sei sicher, dass alles ordentlich sitzt. 
Natürlich können sich die Kleidungsregelungen von Branche zu Branche und auch in den verschiedenen Firmen unterscheiden. Achte darauf, was dir von den Vorgesetzten dort gesagt wird. 
Eine dieser Regelungen ist zum Beispiel Cool Biz (クール・ビズ). Im Sommer wird es den Angestellten oft erlaubt auf Anzugjacken und Krawatten zu verzichten und sogar kurze Hemden zu tragen. Normalerweise trifft diese Regelung nicht auf Bewerber zu und diese sollten die übliche Kleidung für ein Vorstellungsgespräch in Japan tragen. Manchmal wird man aber von den

Unternehmen gebeten diese Regelungen auch zu verfolgen, was man dann natürlich auch machen sollte.

Wir hoffen, du bist jetzt zumindest optisch bereit für dein Vorstellungsgespräch in Japan. Viel Erfolg!