Wenn man ans Schlafen denkt, sieht man meist ein großes, weiches Bett mit vielen Kissen vor sich, in dem man in seinen Traumwelten versinken kann. Doch wie sieht das in Japan aus? Ein traditionelles japanisches Bett ist meist weder hoch noch weich, doch auch heute schlafen noch viele Japaner auf einem Futon. Wir schauen uns diesen einmal genauer an.

Die Herkunft des Futon

In der Vergangenheit wurden in Japan einfache Matten aus Stroh zum Schlafen verwendet, um sich vor den Unebenheiten des Bodens zu schützen. Die reichen Leute benutzten um das 13. Jahrhundert bereits Tatami-Matten zum Schlafen, doch diese waren damals noch recht hart und unbequem.

Erst im 17. Jahrhundert begannen die Japaner, Decken für das Bett zu benutzen. Diese waren aus Baumwoll- und Wollstoffen und somit der Ursprung des späteren Futons. Im folgenden Jahrhundert startete die Produktion von Futons, doch diese waren sehr teuer und dienten oft als wertvolle Geschenke. Reiche Männer nutzten diese, um Frauen zu verführen und auch der Rank von Prostituierten war durch die Anzahl ihrer Futons zu erkennen.

Im 19. Jahrhundert sanken die Preise für Futons, da mehr Baumwolle aus dem Ausland importiert und so mehr produziert werden konnte. Dadurch konnten sich nun auch die normalen Leute ein japanisches Bett wie wir es heute kennen leisten. Vor allem, weil japanische Wohnungen oft recht klein sind, ist der Futon sehr praktisch, da man diesen am Morgen einrollt und in einem Schrank verstaut. So hat man am Tag mehr Platz, den man anderweitig nutzen kann.

Ein Gemälde, welches ein altertümliches Schlafzimmer zeigt.

Was ist eigentlich ein Futon?

Ein traditionelles japanisches Bett besteht im Grunde aus drei Teilen: dem Shikibuton, dem Kakebuton und dem Makura. 

Der Shikibuton (敷き布団, しきぶとん) ist die Matratze, welche als Schlafunterlage genutzt wird. Er besteht aus einer Baumwoll- oder Seidenhülle, welche mit Baumwolle gefüllt ist und ist meist etwa 6 bis 10 cm hoch. Der Kakebuton (掛け布団, かけぶとん) ist die dazugehörige Bettdecke und besteht aus ähnlichem Material wie der Shikibuton.

Es wird traditionell Baumwolle für Futons genutzt, da diese atmungsaktiv und hautfreundlich ist, sowie keine Allergien hervorruft. Sie ist auch bei starker Benutzung und häufiger Reinigung besonders langlebig und sorgt für eine gute Wärmeisolierung, was vor allem im Winter nützlich ist. Denn noch viele traditionelle japanische Häuser haben in den Tatami-Zimmern, wo normalerweise geschlafen wird, keine Klimaanlage.

Der dritte Bestandteil des Futon ist das Makura (枕, まくら), das Kissen. Diese sind meist recht klein und recht hart, da sie mit Buchweizenspreu gefüllt sind. Die Füllung hilft ebenfalls dabei, Feuchtigkeit zu regulieren und wirkt atmungsaktiv.

Im Gegensatz zu westlichen Betten, liegt in Japan der Shikibuton meist direkt auf dem Boden, welcher mit Tatami (畳, たたみ) ausgelegt ist. Diese Matten aus Reisstroh werden oft in traditionell japanisch eingerichteten Zimmern verwendet und nur barfuß oder mit Socken betreten. Durch ihre Oberflächenbeschaffenheit sind sie recht weich und elastisch, was einen guten Schlafkomfort bietet.

So pflegt man ein japanisches Bett

Ein japanisches Bett wird am Morgen zusammengerollt und verstaut. Das schafft tagsüber nicht nur Platz im Zimmer, sondern ist auch gut für den Futon, denn dadurch werden die Stellen, die beim Schlafen eingedrückt wurden, wieder gelockert und es kommt Luft an alle Stellen der Baumwolle.

Futons müssen allerdings regelmäßig richtig gelüftet werden, damit sie nicht anfangen, von der aufgenommenen Feuchtigkeit zu schimmeln oder schlechte Gerüche zu entwickeln. Daher sieht man an sonnigen Tagen vorwiegend in Wohngebieten oft Futons aus den Fenstern oder über den Balkonen hängen. Vor allem in der Regenzeit im Juni ist dies aber oft schwierig. Es gibt hierfür auch besondere Futon-Trockner (futonkansōki (布団乾燥機, ふとんかんそうき), die man zum Glück jedoch mit gutem Zeitmanagement nicht unbedingt kaufen muss.

Um den Futon auszuklopfen gibt es spezielle Bambus-Stäbe, Futontataki  (布団叩き, ふとんたたき) genannt, mit denen man den Staub aus den Baumwollfasern klopfen kann. Bei guter Pflege hält ein Futon etwa 15 Jahre.

Die meisten Hotels in Japan sind heutzutage im westlichen Stil eingerichtet mit westlichen Betten. Vor allem in Ryokan, Minshuku oder kleineren Hotels und Hostels findet ihr aber oft noch Futons vor. Bei Share Houses und möblierten Mietwohnungen ist es recht unterschiedlich. Wenn du in Japan bist, solltest du aber zumindest einmal eine Nacht auf einem Futon verbringen, damit du danach von diesem besonderen Erlebnis berichten kannst.