Der Genuss von Alkohol in Japan gehört so sehr zum guten Ton, wie in kaum einem anderen Land. Gerade das Feierabendbier mit dem Chef und den Arbeitskollegen ist ein etabliertes Ritual, auch wenn dessen Beliebtheit in der Gegenwart langsam abnimmt. In den Führungsriegen vieler Firmen wird diese Form des lockeren Miteinanders aber noch immer gepflegt.

Es wird angenommen, dass die unter dem Begriff nominikēshon (飲みにケーション, のみにけーしょん) – eine Kombination aus dem Verb nomu (飲む, のむ), Trinken, und dem englischen Begriff „Communication“ – laufenden Treffen förderlich für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter sind. Der soziale Druck, an solchen Treffen teilzunehmen und auch über den Durst hinaus zu trinken ist dabei oft beträchtlich. Bedenkt man, dass knapp ein Drittel der japanischen Bevölkerung Probleme beim Alkoholabbau im Körper haben, so ist die abnehmende Bereitschaft zur Teilnahme an solchen Treffen gut nachvollziehbar.

Aber auch vor dem Eintritt ins Arbeitsleben wird während der Studentenzeit – der Konsum von Alkohol ist in Japan erst ab einem Alter von 20 Jahren erlaubt – bereits oft getrunken. Im Rahmen der häufigen nomikai (飲み会, のみかい), Trinkanlässe, finden die Studierenden genug Möglichkeiten den einen oder anderen Drink zu sich zu nehmen. Viele Bars bieten dafür extra Flatrate- Getränkemenüs, sogenannte nomihōdai (飲み放題, のみほうだい), an. Diese erlauben es, für einen günstigen Fixpreis so viele Getränke zu konsumieren wie man möchte.

Aber was gibt es in Japan eigentlich zu trinken?

Alkoholische Getränke in Japan

Auf den Getränkekarten japanischer Bars findest du einige bekannte Getränke, ebenso wie ein paar in Europa eher unübliche Varianten. Am vergleichbarsten ist wohl das japanische Bier. Als Lehnwort findet man es als nama bīru (生ビール, なまびーる) in nahezu jedem Lokal. Zwar hat in Japan auch ein Craftbeer-Boom eingesetzt, doch dominieren hier weiterhin die großen Brauereien Asahi, Kirin und Sapporo und ihre Produkte den Markt. Zu beachten ist, dass frisch gezapftes Bier in Japan oft eiskalt getrunken wird. Das ist erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig, denn der Geschmack des Bieres ist bei diesen Temperaturen noch nicht sonderlich ausgeprägt.

Möchtest du dein Bier oder anderen Alkohol in Japan im Supermarkt oder Convenience Store kaufen, dann solltest du bei der Auswahl ein wenig genauer hinschauen. Gerade die günstigeren Marken sind oftmals gar kein wirkliches Bier, sondern sogenannter happōshu (発泡酒, はっぽうしゅ). Dies ist ein alkoholisches Getränk mit zugesetztem Malzgeschmack aber weniger echtem Malz, wodurch die Hersteller Steuern sparen. Das Ergebnis schmeckt gekühlt recht trinkbar, sorgt aber am Morgen danach häufig für Kopfschmerzen.

Bei der Prämierung der weltbesten Whiskys ist Japan inzwischen auch regelmäßig vertreten. Dies verwundert kaum, ist das Land doch der drittgrößte Whiskyproduzent der Welt. 2008 erreichte auch die Qualität Weltniveau und japanische Whiskys konnten Preise bei den World Whisky Awards einheimsen. Es lohnt sich daher durchaus, mal einen der einheimischen Whiskys zu probieren und das nicht erst seit Bill Murrays Barszene in „Lost in Translation“.

Arten von Alkohol in Japan

Es gibt viele verschiedene Arten von Alkohol in Japan, aber wenn du etwas Landestypischeres trinken möchtest, so solltest du es mit umeshu (梅酒, うめしゅ), shōchū (焼酎, しょうちゅう) oder nihonshu (日本酒, にほんしゅ) bzw. Sake (酒, さけ) versuchen. Bei umeshu handelt es sich um einen fruchtigen Pflaumenwein der je nach Marke eher süß oder säuerlich schmeckt.

Besonders bei Japanerinnen ist dieses Getränk beliebt, während Männer eher zu shōchū greifen. Dies ist ein Branntwein, der meist aus Gerste, Süßkartoffel, Zuckerrohr oder Reis gewonnen wird; der Alkoholgehalt liegt zwischen 25 und 43%. Er ist auch Grundlage für das weit verbreitete Mixgetränk chūhai (酎ハイ, ちゅうはい), bei der shōchū, Soda, Eis und ein Fruchtaroma (häufig Grapefruit oder Zitrone) gemischt werden. Zuletzt bleibt noch Sake zu nennen, der in Japan auch oft als nihonshu bezeichnet wird. Je nach Region sind die Aromen dieses Reisweines sehr unterschiedlich, aber beim Trinken gilt die Faustregel, dass starker Sake heiß und lieblicher Sake kalt getrunken werden sollte.

Trinketikette

Trinketikette

Bist du nun mit Freunden oder Kollegen in Japan unterwegs und ihr habt gerade eure Getränke erhalten, so gibt es ein paar Regeln die zum guten Ton beim Trinken von Alkohol in Japan gehören. Zunächst einmal trinkt man in Japan nicht aus der Flasche. Stattdessen ist es üblich, dass man sich gegenseitig in kleinere Gläser einschenkt. Im Laufe eines Abends kommt so jeder einmal an die Reihe und kann den anderen etwas Gutes tun. Auch noch nicht ganz leere Gläser werden häufig schnell wieder aufgefüllt – Initiative zu zeigen wird sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Mit dem Trinken solltest du warten, bis alle ihr Getränk erhalten haben. An die Stelle des deutschen „Prost“ tritt in Japan dann ein kanpai (乾杯, かんぱい) – ganz ohne die Praxis, einander dabei in die Augen schauen zu müssen.

Welche eine Wohltat – kanpai!