Ein im Westen verbreitetes Bild ist das des durchschnittlichen Japaners, der im öffentlichen Raum, auf der Arbeit und zuhause ständig mit einer Gesichtsmaske herumläuft. Gerade so, als käme dieser gerade aus dem Krankenhaus. Tatsächlich sind diese in Japan sehr präsent. Sehr viele Japaner tragen Gesichtsmasken, und das nicht nur in Jahreszeiten, in denen die Ansteckungsgefahr mit Krankheitserregern besonders hoch wäre.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum die Japaner überhaupt diese Masken tragen, wenn doch keine besondere Ansteckungsgefahr besteht? Eine einzige Antwort gibt es darauf nicht, aber im Folgenden werden wir dir ein paar Perspektiven zeigen, aus denen man die Beliebtheit der Gesichtsmasken im Land der aufgehenden Sonne besser nachvollziehen kann.

Fünf Gründe für die Gesichtsmaske

Die folgenden fünf Blickwinkel bieten dir ein Verständnis dafür, warum Japaner Gesichtsmasken tragen:

1. Gesundheit

Einer der Gründe für die Verwendung von Gesichtsmasken in Japan ist die Gesundheit. Die großen japanischen Metropolräume wie Tōkyō, Ōsaka und Nagoya sind Heimat von zahlreichen Millionen von Menschen, die oft auf vegleichsweise engem Raum zusammenleben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Dadurch ist das Ansteckungsrisiko höher als anderswo, denn man steht ständig in Kontakt mit anderen Menschen.

Seit der Nachkriegszeit werden Japaner zur Prävention von Epidemien dazu angehalten, einen hohen Hygienestandard zu wahren. Dieser beginnt immer bei einem selbst und so sind Hinweise zum Hände waschen etc. in der Öffentlichkeit allgegenwärtig. Sich nicht vernünftig um seine eigene Hygiene zu kümmern gilt als respektlos gegenüber seinen Mitmenschen. Viele Japaner tragen Gesichtsmasken daher aus dem Grund, ihre eigenen Keime nicht auf ihre Mitmenschen zu übertragen und so dieses Gebot des Zusammenlebens nicht zu verletzen.

Japanische Verkäuferinnen mit Gesichtsmaske

2. Schutz vor Staub

Neben der Verhütung von Krankheiten werden die Masken von vielen Japanern auch zum Schutz vor Staub und Pollen getragen. Letztere sind besonders im Frühjahr in der Luft unterwegs und die meisten Masken sind in der Lage, diese und Staub zu blockieren. Auch beim Hausputz tragen Japaner oft Gesichtsmasken, um sich vor schädlichen Einatmungen zu schützen.

3. Makel verbergen

Allerdings verwenden Japaner Gesichtsmaken nicht nur für Hygiene und Gesundheit. Für viele haben sich Gesichtsmaken auch als einfaches Mittel etabliert, um Makel im eigenen Gesicht zu verbergen, die sich nicht einfach mit Cremes oder ähnlichem verstecken lassen. Die Masken nehmen ihren Trägern so die Unsicherheit und das Unwohlsein, die sie sonst mit sich herumtragen würden.

Japaner tragen Gesichtsmasken - auch mit schönen Mustern

4. Mode

Es mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, aber auch die Mode ist einer der Hauptgründe, warum Japaner Gesichtsmasken tragen.

Ursprünglich wurden die Gesichtsmasken auch in Japan als etwas peinliches wahrgenommen, das man nach Verwendung schnell wieder ablegen wollte. Im Jahr 2003 eröffnete allerdings die Geschäftskette rittai masuku (立体マスク, りったいマスク) und läutete einen Wandel in der Wahrnehmung der Gesichtsmasken ein. Waren diese vorher vor allem funktional und zweckmäßig gewesen, wurde es nun nach und nach akzeptiert, diese auch als Accessoire zu verwenden. Besonders junge Leute haben die Gesichtsmasken in dieser Hinsicht für sich entdeckt.

Im Laufe der Jahre erhielt die typische weiße Einwegmaske immer mehr Konkurrenz durch eine Vielzahl an haltbaren Masken zur dauerhaften Verwendung, die inzwischen in allen Farben und Designs erhältlich sind. Heutzutage kann es sogar als attraktiv gelten, regelmäßig Gesichtsmasken zu tragen, denn diesen Meschen wird etwas geheimnisvolles nachgesagt.

5. Soziale Unsicherheit

Viele Japaner tragen Gesichtsmasken aber nicht zuletzt aus dem Grund, sich den Blicken und dem Urteil anderer zu entziehen. Zurückhaltung ist weit verbreitet und man möchte keine Angriffsfläche für Kritik bieten. Das Tragen einer Gesichtsmaske hilft hier dabei, eine zusätzliche Barriere zwischen sich selbst und seinen Mitmenschen aufzubauen. Gerade für Menschen mit Ängsten und einem schwachen Selbstwertgefühl können Masken einen Schutz darstellen, der ihnen im Alltag hilft.

Natürlich bleiben auch in Japan Hygiene und Gesundheit die Hauptmotivationen für das Tragen von Gesichtsmasken. Aber daneben haben sich wie gezeigt auch andere Gründe entwickelt, mit denen sich Japaner für die Verwendung einer Gesichtsmaske entscheiden. Und es zeigt sich auch hier mal wieder, dass Japaner besonders gut darin sind, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Vielleicht probierst du auch mal eine dieser Masken aus?