Tokio im Wandel: Wie sich die Großstadt auf Olympia 2020 einstellt

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Bald ist es soweit: Olympia 2020 in Tokio! Nach ganzen 56 Jahren werden die Olympischen Spiele wieder in Japans Hauptstadt veranstaltet, vom 24. Juli bis zum 9. August. Die Paralympischen Spiele folgen 16 Tage später und gehen vom 25. August bis zum 6. September. Für dieses Ereignis globalen Maßstabs mit einer Dauer von insgesamt eineinhalb Monaten muss Tokio sowie Japan als Ganzes einige Änderungen vornehmen. In nur knapp über einem Jahr geht es schon los – wie sehen also die bisherigen Veränderungen aus und wie werden die Japaner das Einströmen einer großen Menge verschiedener Menschen aufnehmen?

Kulturell haben die Japaner immer an ihren eigenen Traditionen und ihrer eigenen Handlungsweise festgehalten, was es zu dem einzigartigen und erstaunlichen Land gemacht hat, das es heute ist. Aber jetzt, wo die ganze Welt zuschaut und dem Besuch des Landes freudig entgegensieht, muss Japan nicht nur Tokio physisch mit vielen neuen Veranstaltungsorten ausstatten, sondern auch psychisch neue Herangehensweisen entwickeln. Einerseits den Besuchern helfen, sich an die japanische Kultur anzupassen, aber vor allem auch den Japanern helfen, sich an ihre neuen Besucher anzupassen.

Bauarbeiten für die Vorbereitung auf Olympia 2020 in Tokio

Aufbau der Zukunft

Fangen wir mit den Gebäuden an. Insgesamt wird es in und um Tokio etwa 42 Veranstaltungsorte für die Olympischen und Paralympischen Spiele geben, sowie das Olympische Dorf. Eine Vielzahl brandneuer Sportstätten rund um die Stadt herum werden von der Verwaltung der Präfektur Tokio errichtet und auch wenn Tokio sich permanent wandelt, so werden die Ausmaße dieser neuen Orte jedoch eine ganz besonders große Veränderung mit sich bringen. Das Nationalstadion wurde ebenfalls komplett erneuert, um die Kapazität zu vergrößern.

Einige der im Bau befindlichen Gebäude sind folgende:

  • Nationalstadion – In dem erneuerten Stadion werden die Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie Leichtathletikwettbewerbe stattfinden. Mit Lage in Shinjuku ist es beim Erkunden der Stadt kaum zu verfehlen.
  • Aquatics Center – Eine der größten neuen Sportstätten. Wie viele der neuen Gebäude befindet es sich im Bezirk Koto in dem neuen Tatsumi Seaside Park.
  • Ariake Arena Stadion – Wie du schnell feststellen wirst, gibt es im Bezirk Koto ziemlich viele neue Wettkampfstätten. In diesem Stadion werden die Volleyball- und die Rollstuhlbasketball-Wettkämpfe stattfinden.
  • Olympics Gymnastics Center – Liegt ebenfalls in Ariake und dort werden – wie du dir vielleicht schon denken kannst – die Gymnastik- und Turnwettkämpfe ausgetragen. Außerdem ist es eine der vielen temporären Wettkampfstätten, die im Bezirk Koto für die olympischen Spiele gebaut werden.
  • Olympisches Dorf – Keine Wettkampfstätte, aber natürlich genauso wichtig. Das neue Dorf im Bezirk Chuo liegt zwischen der Heritage Zone im Norden und der Tokyo Bay Zone im Süden, in denen sich alle Sportstätten befinden. In dem Dorf werden all die herausragenden Athleten der Olympischen und Paralympischen Spiele hausen.
  • Kasai Slalom Center – Einer der interessanteren Austragungsorte der Olympischen Spiele. Er ist zwar etwas weiter außerhalb in Edogawa gelegen, aber dafür der ideale Ort für Wassersport. Oh, und Disneyland ist auch nicht weit.
  • Sea Forest Waterway – Zu guter Letzt noch eine Wettkampfstätte in Aomi, im Bezirk Koto. Nicht allzu weit von Odaiba entfernt und einer der primären Austragungsorte für den olympischen Wassersport.

Viele dieser neuen Bauwerke werden Tokios Umfeld stark verändern, vor allem da einige auf Teilen von bereits neugewonnenem Land gebaut werden. Einige dieser Veränderungen zeigten bereits Auswirkungen. Zum Beispiel der berühmte Tsukiji-Fischmarkt, der vor kurzem umgezogen ist, wird vorübergehend als Parkhaus und Verkehrsknotenpunkt für die Olympischen Spiele genutzt werden (obwohl es Gerüchte gibt, dass der Fischmarkt bis 2025 wieder an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren wird). Alle permanenten Veranstaltungsorte sollen nach den Spielen an die örtlichen Gemeinden angepasst werden und so die Stadt mit neuen Sporteinrichtungen ausstatten. Die Hinterlassenschaften vieler olympischer Austragungsstätten weltweit haben oft unterschiedliche Nachwirkungen auf die umliegenden Gemeinden, aber hoffentlich wird Japans Herangehensweise sich genauso positiv auswirken, wie geplant.

Wusstest du, dass sich unsere Tokyo Galaxy und Toyo Schulen in der Nähe von vielen dieser Veranstaltungsorte befinden? Eine gute Wahl, wenn du die ganze Action von Olympia 2020 in Tokio miterleben willst.

japanisches Taxi

Ein inklusiver Ansatz

Japans Herangehensweise an Inklusion war, gelinde gesagt, schon immer etwas komplex. Olympia hat für jedes Land das Potenzial zu einem Katalysator für Wandel zu werden und Tokio nimmt diese Gelegenheit wahr. Davon sind zwei grundlegende Aspekte betroffen. Zum einen lediglich der massive Zuwachs an Besuchern allgemein und zum anderen der Aspekt der behinderten Personen. Angesichts der Tatsache, dass die Paralympics genauso groß und bedeutsam sind wie die Olympischen Spiele, ist die Barrierefreiheit bei all diesen neuen Gebäuden ein unglaublich wichtiges Thema und deswegen gibt es eine Reihe von detaillierten Richtlinien, an die sich alle Bauunternehmer der neuen Standorte halten müssen. Genauso wichtig ist es jedoch die Stadt als Ganzes anzupassen und für Körperbehinderte zugänglich zu machen.

Wer schon einmal in Tokio war, hat sicherlich die gelben strukturierten Linien auf den Gehwegen gesehen, die es in der Stadt quasi überall gibt. Diese sind für Blinde oder Sehbehinderte ein wichtiges Hilfsmittel und ein Aspekt, den Tokio scheinbar viel besser umsetzt, als andere. Zwar gibt es in anderen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien, ebenfalls Regelungen für diese Art der Gehwege. Aber sie verfügen nicht über dasselbe ausgedehnte Netzwerk Tokios bzw. Japans, das wichtige Orte wie Bahnhöfe miteinander verbindet. Hier lotsen die Gehwege die Menschen sogar über Kreuzungen sowie um Ecken und helfen ihnen, Gefahren in der Öffentlichkeit zu vermeiden.

In Zügen und Bussen ist die Situation in Japan bereits ziemlich gut und es wird weiterhin versucht, sie zu verbessern und Bahnhöfe in der ganzen Stadt barrierefrei zu gestalten. Derzeit sind rund 71,2 Prozent der Waggons barrierefrei und ca. 56,4 Prozent der Busse stufenlos. Außerdem gibt es sowohl in Bussen als auch Zügen Durchsagen für Sehbehinderte.

Weiterhin gab es kürzlich eine Gesetzesänderung, die sicherstellt, dass neue Hotels mit mehr als 50 Zimmern mindestens 1 Prozent der Zimmer barrierefrei bauen.

Allgemein sollte man noch anmerken, dass sich mehr als 200.000 freiwillige Helfer für Olympia 2020 in Tokio beworben haben, zusammengewürfelt aus Japanern und Ausländern, die in Japan leben. Außerdem wird Japan durch die neusten Änderungen an der Gesetzgebung bezüglich des Visums – und damit der Einführung des Specified Skills Visum – für noch viel mehr Menschen zugänglich werden.

Das war nur ein grober Überblick über die zurzeit in Tokio stattfindenden Veränderungen, den neu zu entdeckenden Gebäuden und einer Verbesserung der Barrierefreiheit und Inklusion. Wie die meisten Städte auf dieser Welt hat auch Tokio noch einen langen Weg vor sich, aber die Olympischen Spiele 2020 scheinen ein geeigneter Katalysator für den erforderlichen Wandel zu sein.

Wenn du mehr über das Leben in Japan mit Behinderung wissen möchtest, empfehlen wir das YouTube-Video “Life where I’m from” und diesen Blog von Josh Grisdale über Barrierefreiheit in Japan, für mehr Details über das Thema.

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von dem englischen [Original].

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