{"id":31612,"date":"2018-04-07T16:00:47","date_gmt":"2018-04-07T07:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/gogonihon.com\/?p=31612"},"modified":"2024-03-06T07:58:45","modified_gmt":"2024-03-06T07:58:45","slug":"inemuri-in-japan-schlafen-sie-ueberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gogonihon.com\/de\/blog\/inemuri-in-japan-schlafen-sie-ueberall\/","title":{"rendered":"Inemuri \u2013 in Japan schlafen sie \u00fcberall"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist weitl\u00e4ufig bekannt, dass Menschen in Japan ein Talent daf\u00fcr haben immer und \u00fcberall schlafen zu k\u00f6nnen. Unterwegs im Zug kommt man sich eher vor wie im Schlafwagen als auf dem Weg zur Arbeit. Doch ist dieser Mythos wirklich wahr? Wir haben uns das mal etwas genauer angeschaut.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-81534\" src=\"https:\/\/gogonihon.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/2-inemuri.png\" alt=\"\" width=\"798\" height=\"436\"><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Schlafkultur in Japan<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Man steigt am Bahnhof Shinjuku in den Zug und schaut sich um. Viele Japaner starren auf ihre Handybildschirme, ein paar lesen in B\u00fcchern und der Rest schl\u00e4ft. Dies ist eine ganz allt\u00e4gliche Szene in Japan. Man kann es nur zu gute hei\u00dfen, dass die Kriminalit\u00e4tsrate hier recht gering ist. In Europa oder Amerika h\u00e4tten die Smartphones in den H\u00e4nden der Schlafenden schon l\u00e4ngst den Besitzer gewechselt. In Japan wird einem das Handy sogar noch aufgehoben und zur\u00fcck gelegt, wenn man es im Tiefschlaf herunterfallen l\u00e4sst. Das erkl\u00e4rt eventuell auch, warum viele Japaner ein Smartphone mit zerbrochenem Display haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bewundernswert ist es zudem, dass die Japaner wohl einen siebten Sinn daf\u00fcr haben, genau an ihrem Bahnhof aufzuwachen. Gerade eben noch im Land der Tr\u00e4ume, schon springen sie aus dem Waggon heraus noch bevor sich die T\u00fcren wieder schlie\u00dfen. Es scheint zu einer t\u00e4glichen Routine geworden zu sein, weshalb der K\u00f6rper genau im richtigen Moment das Signal zum Erwachen gibt. Oder man erkennt einfach nur die Melodie des Bahnhofes im Unterbewusstsein. Wer wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings, auch wenn es so aussieht, nicht alle Menschen, die im Zug in Japan die Augen zu haben, schlafen tats\u00e4chlich. Teilweise wird damit versucht die Au\u00dfenwelt auszublenden und eine Art Privatsph\u00e4re zu schaffen. Denn diese ist vor allem w\u00e4hrend der Rushhour am Morgen und am Abend nicht vorhanden, wenn alle in den Waggons wie in einer Sardinendose eingepfercht sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-81544\" src=\"https:\/\/gogonihon.com\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/3-inemuri.png\" alt=\"\" width=\"798\" height=\"436\"><\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hintergr\u00fcnde dieses Schlaftrends<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Aber g\u00f6nnen wir den Japanern ihren Schlaf, denn dieser fehlt ihnen oft in der Nacht. Laut einer Studie der Regierung aus dem Jahr 2015 schlafen 39,5 Prozent der Erwachsenen in Japan weniger als sechs Stunden pro Nacht. Das ist bei den langen Arbeitszeiten und oft weiten Wegen zur Arbeit kein Wunder. Nicht selten kommen Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner erst gegen 10 Uhr abends nach Hause und m\u00fcssen am n\u00e4chsten Tag schon wieder fr\u00fch im B\u00fcro sein. Schlaf wird dabei \u00fcberbewertet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen in Japan schlafen aber nicht nur im Zug. Auch w\u00e4hrend des Unterrichts in der Schule oder Universit\u00e4t ist das normal. Wenn ich mich manchmal mit japanischen Austauschstudenten unterhalte, wird mir das immer wieder best\u00e4tigt. Und selbst in Manga und Anime kommen solche Szenen immer wieder vor. Es ist also auch im realen Leben so und das zieht sich teilweise bis in die Arbeitswelt und sogar ins japanische Parlament weiter fort.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Nickerchen to-go in Japan<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Schlafen in der \u00d6ffentlichkeit gibt es \u00fcbrigens einen eigenen Begriff. <em>Inemuri<\/em> (\u5c45\u7720\u308a, \u3044\u306d\u3080\u308a) hei\u00dft das Zauberwort, welches sich aus dem Schriftzeichen f\u00fcr <em>anwesend sein <\/em>(\u5c45 \u308b, \u3044\u308b) und dem Wort f\u00fcr <em>Schlaf <\/em>(\u7720\u308a, \u306d\u3080\u308a) zusammensetzt. Diese kurzen Nickerchen sind, anders als in westlichen Kreisen, in der japanischen \u00d6ffentlichkeit anerkannt, zeigen sie doch, dass derjenige viel gearbeitet oder gelernt hat und deshalb jetzt in diesem Moment ersch\u00f6pft ist und erst einmal neue Energie tanken muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Brigitte Steger, eine Wiener Japanologin, hat diesem Thema ein Buch gewidmet, welches bereits 2007 erschien. Ob sich so ein Schlafverhalten wohl auch in Deutschland, \u00d6sterreich oder der Schweiz durchsetzen k\u00f6nnte, bleibt aber fraglich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist weitl\u00e4ufig bekannt, dass Menschen in Japan ein Talent daf\u00fcr haben immer und \u00fcberall schlafen zu k\u00f6nnen. Unterwegs im Zug kommt man sich eher vor wie im Schlafwagen als auf dem Weg zur Arbeit. Doch ist dieser Mythos wirklich wahr? Wir haben uns das mal etwas genauer angeschaut. 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