{"id":31536,"date":"2020-04-22T15:00:00","date_gmt":"2020-04-22T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gogonihon.com\/?p=31536"},"modified":"2026-02-09T16:25:00","modified_gmt":"2026-02-09T07:25:00","slug":"shodo-die-kunst-der-japanischen-kalligraphie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gogonihon.com\/de\/blog\/shodo-die-kunst-der-japanischen-kalligraphie\/","title":{"rendered":"Shod\u014d &#8211; Die Kunst der japanischen Kalligraphie"},"content":{"rendered":"<p>Die japanische Kalligraphie &#8222;s<span class=\"st\">hod\u014d&#8220; (\u66f8\u9053), was w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt &#8222;Weg des Schreibens&#8220; oder &#8222;Weg der Schrift&#8220; bedeutet, geh\u00f6rt neben <a href=\"https:\/\/gogonihon.com\/de\/blog\/japanischen-origami-die-geschichte-des-papierfaltens\/\">Origami<\/a> und der Tee-Zeremonie zu den wohl bekanntesten der traditionellen K\u00fcnste Japans. Auch heute wird sie noch viel praktiziert, zum einen als Pflichtfach in japanischen Schulen, aber auch in der Freizeit. Wie sich simples Schreiben zu einer Kunst entwickelt hat und inwiefern sich die japanische Kalligraphie von anderen Schriftk\u00fcnsten unterscheidet, erf\u00e4hrst du hier.<\/span><\/p>\n<h2><strong>Ursprung und Entwicklung<\/strong><\/h2>\n<p>Der Ursprung der japanischen Kalligraphie liegt schon sehr viele Jahre zur\u00fcck: Zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert wurde die Kunstform aus China \u00fcbernommen, wo sie schon einige Jahrhunderte existierte. Als der ebenfalls chinesische Zen Buddhismus an Beliebtheit gewann, wurde auch die Kalligraphie durch das Abschreiben der auf Chinesisch verfassten buddhistischen Sutras immer popul\u00e4rer. Daher war die Kunstform zu dieser Zeit noch stark an der urspr\u00fcnglich chinesischen Form angelehnt.<\/p>\n<p>Aber in der Heian-Zeit (794-1185) l\u00f6ste sich Japan nach und nach vom chinesischen Vorbild und die Kultur entwickelte sich eigenst\u00e4ndig weiter. Zu dieser Zeit entstand auch das heutige <a href=\"https:\/\/gogonihon.com\/de\/blog\/japanische-schriftzeichen-und-alphabete\/\">japanische Schriftsystem<\/a>, welches neben der chinesischen <em>k<\/em><em>anji<\/em> (\u6f22\u5b57) auch vereinfachte Silbenalphabete (\u4eee\u540d) enth\u00e4lt. Die <em>h<\/em><em>iragana<\/em>\u00a0wurden dann wegen ihrer simpleren und eleganten Form zus\u00e4tzlich zu den <em>k<\/em><em>anji\u00a0<\/em>f\u00fcr die japanische Kalligraphie genutzt, so dass eine f\u00fcr Japan einzigartige Form der Schriftkunst entstand.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt ist die Kalligraphie vom Zen Buddhismus beeinflusst, und damit auch von seinen Ideen und Werten. Die Kalligraphie geht n\u00e4mlich weit \u00fcber das einfache Schreiben von W\u00f6rtern oder Zeichen hinaus: Der Schl\u00fcssel zur wahren Kalligraphiekunst sei es, den Geist und die Seele in das Werk einzubringen und mit dem Herzen zu schreiben, sonst ist es bedeutungslos. Um eine tiefe Bedeutung auszudr\u00fccken, muss das Werk die Emotionen, Pers\u00f6nlichkeit und Leidenschaft des K\u00fcnstlers zeigen. Auch wird gesagt, dass der Weg des Schreibens der Pfad zur Erleuchtung und Aufkl\u00e4rung sei.<\/p>\n<p>Die japanische Kalligraphie ist also weit mehr als nur das geschriebene Wort, es steckt eine ganze Philosophie dahinter.<\/p>\n<h2><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-78425\" src=\"https:\/\/gogonihon.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/kanji-1.png\" alt=\"\" width=\"798\" height=\"436\" \/><\/h2>\n<h2><strong>Stile und Techniken<\/strong><\/h2>\n<p>Der japanische Philosoph Nishida Kitar\u014d verwies darauf, dass die Zen Kalligraphie nicht durch st\u00e4ndiges \u00dcben gemeistert wird, sondern durch einen bestimmten Geisteszustand, genannt <em>mushin <\/em>(\u7121\u5fc3). W\u00f6rtlich \u00fcbersetzt hei\u00dft das im Prinzip &#8222;Bewusstsein ohne Bewusstsein&#8220; und damit gemeint ist ein komplett befreiter Geisteszustand. Beim Praktizieren der japanischen Kalligraphie soll man also den Kopf frei machen und sich nur auf die Bedeutung der Worte fokussieren, die man schreibt.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz gibt es das ein oder andere, auf das man achten muss. Der K\u00fcnstler muss sich dem Platz, der ihm zum Schreiben zur Verf\u00fcgung, bewusst sein und bei jeder Linie den passenden Schwung und Druck aus\u00fcben &#8211; unterschiedlich je nachdem, welche Wirkung das Werk haben soll.<\/p>\n<p>Des Weiteren gibt es drei wesentliche Stile in der japanischen Kalligraphie, die oben auf dem Bild zu sehen sind. Von links nach rechts sieht man: Die Standard Blockschrift <em>kaisho <\/em>(\u6977\u66f8), die halbkursive Schrift <em>gy<span class=\"sense\"><span class=\"token\">\u014d<\/span><\/span>sho <\/em>(\u884c\u66f8) und die Kursivschrift <em><i>s\u014dsho <\/i><\/em>(\u8349\u66f8). Je kursiver es wird, desto weniger Striche werden gebraucht, aber desto schwieriger ist es auch zu lesen. Deswegen beginnt man beim Erlernen der japanischen Kalligraphie mit der Standard Blockschrift.<\/p>\n<h2><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-78435\" src=\"https:\/\/gogonihon.com\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/kanji-2.png\" alt=\"\" width=\"798\" height=\"436\" \/><\/h2>\n<h2><strong>Werkzeug<\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr die richtige Aus\u00fcbung der Kalligraphie braucht man auch bestimmtes Werkzeug. Zum einen den Pinsel (\u7b46, <em>hude<\/em>), der in der Regel aus Tierhaaren und einem Griff aus Bambus besteht. Dann braucht man nat\u00fcrlich Papier; da wird meist das japanische <em>washi<\/em> (\u548c\u7d19, <em>washi<\/em>) genutzt, da das Material f\u00fcr die Tinte (\u58a8, <em>sumi<\/em>) am besten geeignet ist. Die Tinte kann man entweder fertig kaufen, oder mit Hilfe eines Reibsteins (\u786f, <em>suzuri<\/em>), Wasser und Stangentusche selber machen. So bilden Pinsel, Papier, Tusche und Reibstein zusammen die &#8222;Vier Sch\u00e4tze des Gelehrtenzimmers&#8220; im traditionellen China.<\/p>\n<p>Aber es gibt noch weitere n\u00fctzliche Werkzeuge, wie zum Beispiel ein Papiergewicht (\u6587\u93ae, <em>bunchin<\/em>), damit nichts verrutscht, eine Unterlage (\u4e0b\u6577\u304d, <em>shitajiki<\/em>) sowie gegebenenfalls auch ein Siegel (\u5370, <em>in<\/em>).<\/p>\n<p>Die japanische Kalligraphie ist eine jahrtausendalte, noch heute fortbestehende Kunst, welche die japanische Kultur und \u00c4sthetik wiederspiegelt und eine gedankenreiche Philosophie umfasst. Sie unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der westlichen Kalligraphiekunst und ist auch international beliebt &#8211; deswegen sind Kalligraphie Kurse auch Teil der kulturellen Aktivit\u00e4ten bei fast allen unseren <a href=\"https:\/\/gogonihon.com\/de\/trips\/\">Sprachreisen<\/a>. Probier&#8217;s aus und wage dich im Land der aufgehenden Sonne auf den faszinierenden &#8222;Weg des Schreibens&#8220;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die japanische Kalligraphie &#8222;shod\u014d&#8220; (\u66f8\u9053), was w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt &#8222;Weg des Schreibens&#8220; oder &#8222;Weg der Schrift&#8220; bedeutet, geh\u00f6rt neben Origami und der Tee-Zeremonie zu den wohl bekanntesten der traditionellen K\u00fcnste Japans. Auch heute wird sie noch viel praktiziert, zum einen als Pflichtfach in japanischen Schulen, aber auch in der Freizeit. 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