{"id":31524,"date":"2018-11-21T16:00:08","date_gmt":"2018-11-21T07:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/gogonihon.com\/?p=31524"},"modified":"2024-02-02T07:59:42","modified_gmt":"2024-02-02T07:59:42","slug":"tattoos-in-japan-eine-lange-tradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gogonihon.com\/de\/blog\/tattoos-in-japan-eine-lange-tradition\/","title":{"rendered":"Tattoos in Japan &#8211; eine lange Tradition"},"content":{"rendered":"<p>Das T\u00e4towieren hat in Japan eine lange Geschichte, die wesentlich weiter reicht als das anr\u00fcchige Bild in der heutigen Zeit. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich f\u00fcr Tattoos in Japan ein besonderer Stil herausgebildet, <em>tebori <\/em>(\u624b\u5f6b\u308a; mit der Hand gravieren) genannt. Aus dieser Technik leitet sich auch der bildhafte japanische Name f\u00fcr Tattoos ab: <em>irezum<\/em>i (\u5165\u308c\u58a8). Dabei handelt es sich um eine Komposition aus <em>ireru<\/em> (\u5165\u308c\u308b; hinein tun) und <em>sumi<\/em> (\u58a8; Tinte). Andere, weniger gel\u00e4ufige Namen sind <em>bunshin<\/em> (\u6587\u8eab) und <em>shisei<\/em> (\u523a\u9752).<\/p>\n<h2><strong>Geschichte der Tattoos in Japan<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Die Verwendung von Tattoos in Japan reicht mehrere Tausend Jahre zur\u00fcck. Erste Zeugnisse lassen sich auf Tonfiguren aus der Jomon-Zeit (ca. 14.000-300 vor Christus) finden und es wird vermutet, dass diese eine spirituelle Bedeutung hatten und als Statussymbole dienten. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Bedeutung der Tattoos allerdings immer wieder. So wurden sie irgendwann auch genutzt, um Verbrecher zu markieren, und erhielten so ein anr\u00fcchiges Bild in der Gesellschaft. Andererseits waren auch Feuerwehrleute stark t\u00e4towiert, um sich so vor den Gefahren ihrer Arbeit zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Doch erst in der Edo-Zeit (1603-1868) sollten Tattoos eine deutliche Verbreitung erfahren. Die starken kulturellen und k\u00fcnstlerischen Ver\u00e4nderungen der in dieser Zeit entstehenden &#8222;flie\u00dfenden Welt&#8220; (\u6d6e\u4e16; <em>ukiyo<\/em>) und die zunehmende Einfluss der st\u00e4dtischen Bev\u00f6lkerungen f\u00fchrten zu neuen Kunstformen und einem gesteigerten gesellschaftlichen Interesse an ebendiesen. Die Kunst entwand sich mehr und mehr den engen Grenzen, die ihr zuvor von den Kriegerfamilien auferlegt worden waren. Besonders beliebt waren die sogenannten <em>ukiyo-e<\/em> (\u6d6e\u4e16\u7d75; Bilder der flie\u00dfenden Welt) &#8211; ausdrucksstarke Holzschnitte, welche die neue Zeit in aller Deutlichkeit zeigten.<\/p>\n<p>Die T\u00e4towierkunst in Japan ist eng mit dieser Kunstform verbunden, verdingten sich doch viele Holzschnittk\u00fcnstler auch als T\u00e4towierer. So wurden viele Stilmittel und Werkzeuge zwischen beiden Traditionen \u00fcbernommen. Auch die ber\u00fchmte Nara-Tinte, mit ihrer charakteristischen blau-gr\u00fcnen Farbe stammt aus dieser Zeit.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-71438\" src=\"https:\/\/gogonihon.com\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/getting-tattoo.jpg\" alt=\"\" width=\"798\" height=\"436\" \/><\/p>\n<h2><strong>Wichtige Symbole<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Seit dieser Zeit haben sich einige sehr beliebte Motive herausgebildet, die in Japan auch heutzutage noch regelm\u00e4\u00dfig auf die Haut gebracht werden. Viele davon sind eng mit der japanischen Folklore verbunden oder inspiriert von bekannten <em>ukiyo-e<\/em>.<\/p>\n<h3><strong>Karpfen<\/strong><\/h3>\n<p>Der Koi-Karpfen ist ein bekanntes Symbol in Japan und ziert nicht nur Haut, sondern auch viele Teiche im ganzen Land. Er gilt als gl\u00fccksverhei\u00dfend und wird oft anl\u00e4sslich der Geburt eines Kindes t\u00e4towiert.<\/p>\n<h3><strong>Drache<\/strong><\/h3>\n<p>Der Drache ist ein weiteres beliebtes Symbol und wird nicht selten in Verbindung mit dem Koi t\u00e4towiert. Einst soll n\u00e4mlich ein Koi einen Wasserfall empor geschwommen und als Belohnung in einen Drachen verwandelt worden sein &#8211; ein Zeichen seiner Ausdauer und Willenskraft. Im Unterschied zu den oft b\u00f6sartigen Drachen in Europa sind diese in Asien eher wohlwollend und weise, was sie zu gerne genutzten Motiven macht.<\/p>\n<h3><strong>Bl\u00fcten<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Auch Blumen und Bl\u00fcten sind ein wichtiges Motiv japanischer Tattoos. Die Pfingstrose steht f\u00fcr M\u00e4nnlichkeit und Mut, \u00e4hnlich wie die <a href=\"https:\/\/gogonihon.com\/de\/blog\/kirschbluete-sakura-und-hanami-in-japan\/\">Kirschbl\u00fcte<\/a> und die Chrysantheme (zwei der symboltr\u00e4chtigsten Bl\u00fcten Japans), die damit verbunden sind, auch im Angesicht von Widrigkeiten und im Angesicht des Todes nicht den Mut aufzugeben. Die Lotusblume, die aus tr\u00fcbem Wasser zu einer bezaubernden Bl\u00fcte heranw\u00e4chst, wird oft als Sinnbild f\u00fcr die Erleuchtung verwendet.<\/p>\n<h3><strong>Monster<\/strong><\/h3>\n<p><i>Oni <\/i>(\u9b3c Oger) sind ein zentrales Element der japanischen Folklore. Oft mit Rei\u00dfz\u00e4hnen, H\u00f6rnern und farbiger Haut dargestellt sind sie ein beliebtes Motiv f\u00fcr T\u00e4towierungen da man ihnen teilweise auch die Rolle wohlwollender Besch\u00fctzer zuspricht. Auch <em>kami<\/em> (\u795e; Gottheiten des Shintoismus) oder verschiedene <em>y\u014dkai<\/em> (\u5996\u602a; Monster) werden manchmal als Schutzpatrone gew\u00e4hlt und t\u00e4towiert.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-63986\" src=\"https:\/\/gogonihon.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Onsen-rules-WM.png\" alt=\"\" width=\"798\" height=\"436\" \/><\/p>\n<h2><strong>Tattoos in Japan heutzutage<br \/>\n<\/strong><\/h2>\n<p>Mit dem Beginn der Meiji-Restauration (1868) hatten Tattoos keinen Platz mehr im Bild eines modernen Japans und wurden daher von der Regierung offiziell ge\u00e4chtet. Unter der amerikanischen Besetzung Japans wurden Tattoos 1948 zwar wieder legalisiert, doch die ihnen anh\u00e4ngenden negativen Konnotationen haben sie bis heute nicht absch\u00fctteln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im heutigen Japan sind Tattoos so noch immer mit Verbrechen und vor allem der japanischen Mafia, den Yakuza, verkn\u00fcpft. Tattoos sind hier Ausdruck der Zugeh\u00f6rigkeit zu verschiedenen Gruppen innerhalb der Yakuza und zeigen auch die eigene Geschichte innerhalb dieser kriminellen Organisationen. Dies hat auch Konsequenzen f\u00fcr diejenigen, die selbst keine Verbindungen zur Yakuza haben und dennoch t\u00e4towiert sind. Zahlreiche Fitnessstudios, Schwimmb\u00e4der und <em><a href=\"https:\/\/gogonihon.com\/de\/blog\/heisse-quellen-in-japan\/\">onsen<\/a><\/em> (\u6e29\u6cc9; traditionelle Thermalb\u00e4der) verweigern T\u00e4towierten noch immer den Zutritt, unabh\u00e4ngig von Ort oder Gr\u00f6\u00dfe des Tatoos. Die einfachste L\u00f6sung ist es, kleinere Tattoos einfach zu verdecken oder gezielt Einrichtungen aufzusuchen, die weniger restriktive Regelungen haben.<\/p>\n<p>Wenn du t\u00e4towiert bist und eine Reise nach Japan planst, kannst du dich auch <a href=\"https:\/\/tattoo-friendly.jp\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Internetseite<\/a>\u00a0dar\u00fcber informieren, an welchen Orten (in unterschiedliche Kategorien gefiltert) du dir keine Sorgen machen musst, ob du eingelassen werden wirst.<\/p>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das T\u00e4towieren hat in Japan eine lange Geschichte, die wesentlich weiter reicht als das anr\u00fcchige Bild in der heutigen Zeit. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich f\u00fcr Tattoos in Japan ein besonderer Stil herausgebildet, tebori (\u624b\u5f6b\u308a; mit der Hand gravieren) genannt. 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