Die japanische Folklore kann mit einem gewaltigen Repertoire an übernatürlichen Wesen und mystischen Kreaturen aufwarten. Einen großen Einfluss auf die Entstehung so einer Vielfalt hatten der Buddhismus und der Shintoismus, deren Mythologien viel Raum für das Übernatürliche schufen. Diese in diesem reichen Ideenschatz entstandenen Wesen lassen sich unter dem Begriff obake (お化け, おばけ) sammeln. Der Begriff enthält das Schriftzeichen für Veränderung und zeigt damit, dass es sich um Kreaturen handelt, die eine Wandlung von der natürlichen in die übernatürliche Welt vorgenommen haben. Japanische Monster lassen sich ferner grob in zwei Kategorien einteilen – yōkai (妖怪) und yūrei (幽霊) – die wir dir hier vorstellen möchten.

Yōkai

In Japan fallen unter den Begriff yōkai alle Kreaturen, Erscheinungen und Manifestationen, die über das Verständnis der natürlichen Welt hinausgehen. Der Begriff setzt sich aus den Kanji für Unglück und Erscheinung zusammen und wird auch häufig synonym mit mononoke (物の怪) verwendet. Dabei sind yōkai nicht unbedingt böswillige Kreaturen. Im Gegenteil: es gibt zahlreiche friedfertige yōkai oder solche, die sich aus den Leben der Menschen heraushalten.

Yōkai sind japanische Monster mit außergewöhnlichen Kräften, wie zum Beispiel die Gabe der Verwandlung. Grob lassen sich yōkai in mehrere Kategorien einteilen: Tiere mit magischen Kräften, Oger und Monster, sowie Gegenstände mit einem übernatürlichem Eigenleben. Aber selbst diese Einteilungen lassen noch zahlreiche yōkai außen vor, die sich nicht so einfach einordnen lassen.

Japanische Zeichnung mit Monstern

Bekannte yōkai

  1. Kappa (河童)

Kappa sind eine Art von yōkai die in frischem Wasser leben. Die Kanji sind ältere Varianten der Schriftzeichen für Fluss und Kind. Sie ähneln Schildkröten und müssen immer eine Schale Wasser auf dem Kopf tragen. In der Vergangenheit dienten Geschichten von Kappa als Abschreckung für kleine Kinder, damit diese sich nicht zu nahe am Wasser aufhielten. Es hieß, diese arglistigen Monster könnten Menschen anlocken und ins tiefe Wasser und damit in den sicheren Tod ziehen.

  1. Tengu (天狗)

Obwohl es sich als göttlicher Hund übersetzen lässt, sind Tengu halbmenschliche Wesen, die sich durch Vogelmerkmale auszeichnen. Dazu gehören Flügel, aber je nach Darstellung auch Federn, Schnäbel und Krallen. Ihnen wird nachgesagt in den Bergen zu leben und besonders kriegerisch zu sein.

Für den frühen Buddhismus in Japan waren Tengu gefährliche Gegner, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, buddhistische Mönche zu verderben. Heute ist ihr Bild vielseitiger und auch wenn sie weiter als mächtige Krieger gesehen werden, so tun sie dies auch immer wieder für menschliche Zwecke, z.B. als Beschützer von Tempeln und Naturgebieten.

  1. Kitsune ()

Kitsune ist der japanische Begriff für den Fuchs. Diesem wird schon seit alten Zeiten die Gabe der Verwandlung zugesprochen. Kitsune können zahlreiche Verwandlungen durchführen, doch das bekannteste Motiv ist die Verwandlung in eine bezaubernde Frau. In dieser Rolle versuchen die Füchse vor allem den Menschen zu schaden. Im Shintoismus erfüllen Füchse aber auch eine Rolle als Boten und Wächter der Inari-Schreine.

  1. Tanuki ()

Die Tanuki sind ebenso wie die Kitsune real existierende Tiere denen übernatürliche Kräfte nachgesagt werden. Die Marderhunde können sich ebenso wie die Füchse vielfältig verwandeln und nutzen diese Gabe vor allem, um Schabernack zu treiben. Vor Geschäften kann man aber auch immer wieder Darstellungen von Tanuki entdecken, da diese auch ein gutes Geschäft versprechen.

  1. Kodama (木霊)

Bei den Kodama handelt es sich um pflanzenartige Geister, die in den Ästen und Stämmen von alten Bäumen leben. Besonders bekannt geworden sind diese im Film Prinzessin Mononoke, aber in der japanischen Folklore existieren sie bereits viel länger. Sie sind grundsätzlich harmlos, können aber jene verfluchen, die dem Baum in dem sie wohnen schaden.

  1. Tsukumogami (付喪神)

Im Shintoismus wird jedem physischen Objekt eine Identität zugeschrieben. Sobald diese hundert Jahre alt werden können sie eine Seele entwickeln und so zu belebten Objekten werden. Sollten sie von ihren Besitzern schlecht gepflegt worden sein, können sie sich mit ihrem neu gewonnenen Leben entscheiden, diesen zu schaden.

Japanische Monster yokai

Yūrei

Die zweite große Gruppe der obake ist die der yūrei. Dabei handelt es sich um die Geister der Verstorbenen, die aus verschiedensten Gründen nicht ins Jenseits einziehen konnten. Die Kanji des Begriffs stehen für Vergänglichkeit und Seele. Meist sind yūrei Frauen mit langen schwarzen zerzausten Haaren, einem langen weißen Kleid und ohne Füße. Häufig haben sie ein Dreieck aus Stoff oder Papier auf der Stirn (hitaikakushi) und werden von einem Paar von Irrlichtern (hitodama) begleitet.

Im Shintoismus wird angenommen, dass yūrei entstehen wenn die Übergangsrituale für die menschliche Seele nach dem Tod nicht oder nicht korrekt durchgeführt werden. Zum Beispiel im Falle eines gewaltsamen Todes oder eines Selbstmordes. Die Seele verwandelt sich dann in einen rachsüchtigen Geist. Japanische Horrorfilme greifen oft auf die alten Erzählungen von yūrei zurück, um moderne Geistergeschichten zu kreieren.

Mit Serien wie Yo-kai Watch sind japanische Fabelwesen inzwischen wieder sehr stark in der japanischen Populärkultur vertreten. Wenn du mehr über Monster und Geister in Japan lesen willst beobachte weiter unseren Blog – wir werden das Thema weiter vertiefen. Da viele japanische Fabelwesen mit dem Shintoismus zusammenhängen, willst du vielleicht bis dahin unseren Beitrag zum shintoistischen Gebetsritual lesen.

Träume bis dahin ruhig!